Von Gerrit Wiesmann und Sebastian Dullien, Berlin
Financial Times Deutschland, 17.10.2003, S. 13
Oskar Lafontaine ist ein Fuchs. "Ich bin nicht hier, um mit ihnen über meine politische Zukunft zu reden", sagt der Ex-SPD-Chef bei der Vorstellung eines Buchs des Ökonomen Hans-Werner Sinn in Berlin. Braucht er nicht. Schon der Auftritt hält den potentiellen Wiedereinsteiger im Gespräch: Am 8. November will die Saar-SPD ihren Spitzenmann für die Landtagswahl 2004 bestimmen. Lafontaine wäre die Alternative zum zahmen Landeschef Heiko Maas.
Lust aufs Rampenlicht als Kandidat, Landesvater und Genosse lässt der Hinschmeißer vom März 1999 immer wieder erkennen. Er werde im Herbst 2004 "an herausgehobener Stelle" Wahlkampf für die SPD im Saarland machen, sagte er jüngst der "Saarbrücker Zeitung". Die Politik von CDU-Regierungschef Peter Müller sei so schlecht, dass er sich um "die Selbstständigkeit des Landes" Sorgen mache. Der Schmerz des "schlechten Mannschaftsspiels" innerhalb der Regierung Schröder ist vergessen: "Die SPD ist meine politische Familie", verrät er dem "Stern".
Ein Wahlsieg, ja schon die Spitzenkandidatur Lafontaines wäre für die SPD-Bundesspitze ein Graus. Als Ministerpräsident könnte der Saarländer im Parteipräsidium wieder mitreden - und damit auch in Versuchung geraten, die "verfehlte Wirtschafts- und Sozialpolitik" (Lafontaine) der Bundesregierung zu beeinflussen. Schon deshalb streuen die Genossen in Berlin, dass sich Maas in enger Abstimmung mit dem Willy-Brandt-Haus längst auf die Spitzenkandidatur festgelegt habe. Mit Blick auf den parteiinternen Frieden verbittet sich der Landeschef stets solche Interventionen.
Das Rennen ist aber auch nach Angaben wichtiger Genossen im Saarland so gut wie laufen. Lafontaine habe in kleiner Runde zugegeben, ohne Rückenwind aus Berlin könne auch er nicht gewinnen, erzählt ein altgedienter Sozialdemokrat: "Oskar wird nicht kandidieren, wenn er keine gute Chance sieht, die Wahl auch zu gewinnen." Angesichts bundesweiter Umfragewerte von unter 30 Prozent schafft es die Saar-SPD auf nicht mehr als 33 Prozent. Müllers CDU liegt laut Infratest-dimap bei 54 Prozent. "Unsere Chancen sind mindestens bescheiden", sagt ein Spitzengenosse.
Außerdem sehen Sozialdemokraten an der Saar ein strategisches Dilemma: "Auch bei Rückenwind aus Berlin werden die Wähler Oskar als Kritiker von Schröders Politik sehen. Kanzlererfolge würden ihm kaum helfen." Mit Absicht gibt sich Lafontaine dieser Tage daher versöhnlich: Gestern blieben donnernde Angriffe auf Rot-Grün aus, ebenso ein Krach mit Ifo-Chef Sinn, der einen radikalen Abbau des Sozialstaats fordert. Das dürfte Lafontaine aber nicht mehr helfen, sagen Genossen. Am 29. Oktober treffe sich der Landesvorstand. Dann könne eine "Vorfestlegung" getroffen werden - "für Maas, wenn alle rational bleiben".
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