Handelsblatt, 11.-13.08.2006, Nr. 154, S. 9
Django Asül, Kabarettist
„Sehr pointiert und aufschlussreich kommt ,Ist Deutschland noch zu retten?' von Hans-Werner Sinn daher. Wer begreifen will, wieso Deutschland es zur ,Lame Duck' der großen Wirtschaftsnationen gebracht hat, sollte dieses Buch lesen. Das politische System Deutschlands ist so ausgelegt, dass man zwar an die Macht kommt, aber nicht regieren kann. Sinn zeigt auf, warum in dieser kruden Mischung aus überbordender Bürokratie und Volksverdummung alles den Bach heruntergeht, wenn nicht schleunigst eingelenkt wird. Er analysiert sehr präzise, wie der Staat in Deutschland Arbeit bestraft und Untätigkeit belohnt. Seit Adenauer hat jede Regierung sich das Wahlvolk erkauft durch Geschenke auf Pump, die heute doppelt und dreifach zurückbezahlt werden müssen. Das Volk hingegen will den alles kontrollierenden Staat statt Eigeninitiative, weil die Transferempfänger zahlenmäßig im Prinzip schon die Mehrheit bilden. Die politische Kaste greift der Stimmung zuliebe gern zu Placebos, statt Probleme anzugehen. Frau Merkel ist da ein neuer Meilenstein an Mutlosigkeit, die sich in denkbar faulsten Kompromissen manifestiert. Sinn gibt eine vernünftige Richtung vor, für die es in Deutschland wohl keine Mehrheit gibt. Die Politik agiert nach dem Prinzip ,Nach mir die Sintflut'. Das verhätschelte Volk verweigert sich der Realität. Beschleunigt wird dadurch nur der Abwärtstrend."
CORINE 2004 International Book Prize in Economics Hans-Werner Sinn: Ist Deutschland noch zu retten?
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