Berliner Zeitung, 11.02.2004, S. 27
POTSDAM/HALLE, 10. Februar. In scharfer Form hat Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) die Ansichten des Präsidenten des Münchner ifo-Instituts über die Wirtschaftsentwicklung in Ostdeutschland zurückgewiesen. Die Vorschläge von Hans-Werner Sinn würden das Ziel gleicher Lebensverhältnisse auf Dauer abschreiben und den Osten zum "Armenhaus Deutschlands" machen, sagte Platzeck. Sinn hatte unter anderem sinkende Löhne angeregt, um in Konkurrenz mit osteuropäischen Billiglohnländern wettbewerbsfähig zu bleiben.
"Ostdeutschland kann keinen Lohndumping-Wettbewerb mit den mittel- und osteuropäischen Ländern gewinnen", erklärte Platzeck. Weil dann noch mehr Menschen abwanderten, käme es zu weiteren Steuereinbußen und sinkender Kaufkraft, womit der notwendige Nachfrageschub zur Belebung der Konjunktur ausbliebe.
Auch Sachsens-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer und sein thüringischer Amtskollege Dieter Althaus (beide CDU) sprechen sich gegen Niedriglöhne im Osten aus. Böhmer sagte, Lohnsenkungen seien keine Lösung. (dpa, ddp)
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