Deutsche Handwerkszeitung, 19.10.2007, S. 4
Auch wenn der derzeitige Aufschwung die Lehrstellenlücke verringert hat, sollte dies nicht über die Tatsache hinwegtäuschen: Selbst jetzt, in der besten konjunkturellen Lage seit langem, haben knapp 30.000 Suchende noch keine Lehrstelle gefunden, was durch über 90.000 Jugendliche auf Stellen außerhalb der Betriebe noch stark geschönt ist. Dies hat einen zentralen Grund: Manchen Bewerbern fehlen die grundlegendsten Qualifikationen, um eine Ausbildung anzutreten. Spätestens seit der PISA-Studie wissen wir, dass mehr als jeder fünfte Schüler die Schulen ohne akzeptable Mindestkompetenzen in Textverständnis, Mathematik und Naturwissenschaften verlässt.
Was muss sich ändern, damit wir aus dieser für unsere Gesellschaft bedrohlichen Situation herauskommen? Wie ich in meinem neuen Buch belege, weisen die Fakten der internationalen Schülervergleiche klare Auswege.
Punkt 1: Überall muss wieder ins Bewusstsein, dass ohne gute Leistungen im Lesen, Schreiben und Rechnen gar nichts geht.
Punkt 2: Die Schulen müssen etwa bei der Auswahl der Lehrer selbstständiger, aber durch externe Leistungsprüfungen auch verantwortlicher gemacht werden.
Punkt 3: Schüler aus sozial schwachen Schichten schneiden wesentlich besser ab, wenn nicht schon nach der 4. Klasse in verschiedene Schularten aufgeteilt wird – ohne, dass die Besten darunter leiden.
Punkt 4: Gerade die Kinder, die nicht schon zu Hause ein stimulierendes Bildungsumfeld haben, müssen schon vor der Schule intensiv gefördert werden. Im eigenen Interesse und dem unserer Gesellschaft sollten die Betriebe all dies von Schulen und Politik einfordern.
Ludger Wößmann: Letzte Chance für gute Schulen. Die 12 großen Irrtümer und was wir wirklich ändern müssenZabert-Sandmann: 2007 More Information
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