Wiener Zeitung, 02.11.2007
Es hatte lange gedauert, bis auch Elternvertreter wagten, zum Gesamtschul-Pfusch klare Worte zu finden. Dabei sind sie und ihre Kinder ja die Opfer der Schulversucherei. Lehrer hingegen stehen nicht ganz zu Unrecht im Verdacht, dass es ihnen oft primär um eigene Interessen ginge.
Würden die Eltern noch deutlicher auftreten, dann könnten sie vielleicht auch einmal Klarheit über das Ziel der Schulpolitik erreichen. Geht es darum, dass im Sinn des ideologischen Gleichheits-Phantoms jedes Kind den gleichen Abschluss, etwa die Matura, bekommt: also von der Gesamtschule zur Gesamtmatura? Dann nur so weiter wie bisher.
Oder geht es darum, dass alle Kinder intensiv, aber individuell gefordert und gefördert werden? Wobei in Zeiten eines internationalen "Kriegs um die Talente" besonders diese wichtig sind; denn vor allem die besten Absolventen haben den Wohlstand aller zu sichern, die Forscher und Wissenschafter zu stellen, die Unternehmer und Experten, die Lehrer und hoffentlich einmal auch die Politiker.
Geht es um dieses Ziel, dann ist in der Tat eine umfassende Reform nötig, doch in eine ganz andere Richtung als derzeit diskutiert. Dann braucht es einen vollen Wettbewerb unter allen Schulen. Dann müssen die Schulleiter die Personalhoheit über die Lehrer haben (bis hin zur Kündigung). Dann haben die Eltern freie Auswahl unter den Schulen. Dann gibt es an mehreren Etappen der Schullaufbahn externe, also nicht von den eigenen Lehrern durchgeführte Prüfungen (von der Aufnahmsprüfung bis zur Zentralmatura, die in Deutschland auf Grund eindeutiger Erfolge derzeit ausgebaut wird). Dann entscheiden die Schulen frei über ihre Budgets und Lehrmethoden (denn viele teure Schulpolitik-Moden wie Computerisierung, Gruppenunterricht, Kleinklassen erweisen sich bei Vergleichsstudien als unwirksam). Dann ist letztlich nur das Geld gleich, das pro Schüler zur Verfügung steht.
Das alles sind keine Ideen aus dem Bauch, sondern statistisch gut belegte Erfolgs-Strategien (siehe Ludger Wössmann: "Letzte Chance für gute Schulen"). Keine davon bedeutet aber eine solche Vergewaltigung der Freiheit, wie es eine zwangsweise, gegen den Willen der Betroffenen eingeführte Gesamtschule wäre. Die als einzigen "Nutzen" eine Egalisierung der Ausbildungs-Qualität hätte.
Ludger Wößmann: Letzte Chance für gute Schulen. Die 12 großen Irrtümer und was wir wirklich ändern müssenZabert-Sandmann: 2007 More Information
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