Handelsblatt, 19./20./21.10.2007, Nr. 202, S. K4
Die deutschen Ökonomen trafen sich in der letzten Woche zur alljährlichen Tagung ihrer wissenschaftlichen Gesellschaft, dem 1873 gegründeten Verein für Socialpolitik. Thema: „Bildung und Innovation“. Wenn noch ein Beleg für die zentrale Bedeutung von Bildung in den modernen Wirtschaftswissenschaften gefehlt hätte – hier ist er. Aber wieso? Bildung ist eine Investition in „Humankapital“: Die zunächst anfallenden Kosten für die Zeit der Schüler, Lehrer, für Unterrichtsmaterial und Schulgebäude werden gegen späteren Nutzen abgewogen. Und der zukünftige Nutzen ist allein im wirtschaftlichen Bereich immens. Die ökonomische Forschung belegt: Bessere Bildung geht mit höherem Einkommen, Beschäftigung und volkswirtschaftlichem Wachstum, aber auch einer gestärkten demokratischen Grundordnung einher.
Viele halten ja den Trubel, der um die schwachen deutschen Pisa- Ergebnisse gemacht wird, für völlig überzogen. Das, was da getestet wird, sei doch nicht so wichtig. Aber die empirische Evidenz ist eindeutig: Die Testleistungen in Pisa- Vorgängerstudien gehören im internationalen Vergleich zu den wichtigsten Ursachen für das Wirtschaftswachstum der letzten Jahrzehnte. Auch die Arbeitslosigkeit ist gerade in Deutschland fast ausschließlich ein Problem der Geringqualifizierten. Und internationale Unterschiede in der Ungleichheit der Einkommen können zum größten Teil auf die Ungleichheit von Bildungstestleistungen zurückgeführt werden. So gesehen birgt die Tatsache, dass Deutschland zu den Spitzenreitern in der Ungleichheit der Pisa-Leistungen gehört, erheblichen Sprengstoff für die zukünftige Einkommensverteilung.
In Menschen zu investieren zahlt sich also aus: Gute Bildung ist heute unabdingbar für wirtschaftlichen Erfolg. Nur durch überlegenes Wissen können wir uns auf Dauer aus dem Strudel des globalen Niedriglohnwettbewerbs befreien. Wir alle sind Human-Kapitalisten.
Ludger Wößmann hat das Buch „Letzte Chance für gute Schulen“ (Zabert Sandmann, München 2007) veröffentlicht.
Ludger Wößmann: Letzte Chance für gute Schulen. Die 12 großen Irrtümer und was wir wirklich ändern müssenZabert-Sandmann: 2007 More Information
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