Der Standard, 21.05.2010, S. 18
Wien/München - Bei den Österreichern hat sich noch kein großer Euro-Pessimismus breitgemacht. Laut einer Karmasin-Umfrage für Profil machen sich 51 Prozent "keine Sorgen" um den Euro, nur 26 Prozent wünschen sich den Schilling zurück. 48 Prozent sprechen sich für EU-Finanzhilfen für angeschlagene Länder aus. 42 Prozent sind dagegen, zehn Prozent haben keine Meinung.
Weniger positiv schätzt das deutsche Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung an der Uni München das Euro-Rettungspaket ein. Leiter Hans-Werner Sinn spricht in einer Analyse gar von der "gravierendsten Fehlentscheidung" in der Geschichte Deutschlands und einem "unkalkulierbaren Risiko", das sich negativ auf das deutsche Wachstum auswirken werde.
Deutschland trägt die größte Last des Rettungsschirms. Für Euro-Länder, die in Zahlungsschwierigkeiten geraten, kann die EU bis zu 500 Mrd. Euro an Krediten vergeben. Weitere 250 Mrd. sind vom Internationalen Währungsfonds (IWF) zugesagt. Die Staaten haften dafür. Begründet wurden die Maßnahmen mit der Gefährdung des Euro. "Empirische Anhaltspunkte" dafür gebe es aber nicht, meint Sinn. Auch fehle "jeglicher Beleg" dafür, dass eine Gruppe von Spekulanten den Kurs des Euro beeinflusste.
Gefährdet gewesen sei also nicht die Währung, sondern jene Gruppe von Anlegern, die Staatsschuldpapiere von unsoliden Ländern hielten. Allein französische Banken halten griechische Anleihen im Ausmaß von 52 Mrd. Euro.
Auch von einer "Systemkrise" könne keine Rede sein. Die Konditionen, zu denen die Länder Kredite bekommen, seien vor der Euro-Einführung deutlich schlechter gewesen als zuletzt.
Statt der erhofften Stärkung des Euro sei nun eine Schwächung zu erwarten, meint Sinn. Was sich ohne Rettungsschirm in einer Abwertung der Anleihen geäußert hätte, werde nun zu einer Abwertung des Euro selbst führen.
Erwartet wird auch ein Konjunktureinbruch. Ohne Schutzschirm wäre das Sparkapital für Investitionen in Deutschland verwendet worden, glaubt Sinn. Diese Investitionen würden nun ins Ausland abfließen. Die Folge: Die "europäische Schuldenblase" werde noch weiter "aufgebläht", spätere Transferzahlungen seien zu befürchten. Sinnvoller wäre für ihn ein teilweiser Forderungsverzicht von Gläubigern gewesen.
Zu Wort gemeldet hat sich auch IWF-Direktor Dominique Strauss-Kahn. In der FAZ bestritt er, dass der IWF bei Griechenland auf harte Auflagen gedrängt habe. Die Bedingungen seien von der EU verhandelt worden. Der Fonds habe sogar auf eine längere Laufzeit gedrängt, weil das Programm sonst zu "harsch" gewesen wäre. (go)
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