Der Standard, 24.01.2007
München/Wien - Ifo-Forscher Rigmar Osterkamp ist voll des Lobes: "Österreich hat seine Hausaufgaben gemacht. Man hat alles geschmeidiger, flexibler gemacht und so mehr erreicht als in Deutschland."
Das Münchner Ifo-Institut hat für seinen Vergleich zwischen Deutschland und Österreich das Steuersystem, den Arbeitsmarkt und das Budget unter die Lupe genommen. Die Studie befasst sich mit den vergangenen zehn Jahren. "Während in Deutschland zum Teil noch immer, etwa über die Gesundheitsreform, diskutiert wird, hat man in Österreich gehandelt", sagte Oberkamp zum Standard.
Als Beispiel nennt er die Lohnstückkosten, die in Österreich beträchtlich niedriger seien als im Nachbarland, So liegen die Arbeitskosten im westdeutschen verarbeitenden Gewerbe um 25 Prozent über denen in Österreich. "Das ist ein Wettbewerbsvorteil bei der Ansiedlung von ausländischen Firmen", meint Osterkamp. Deutschland setze mehr auf die Hoffnung, dass auf EU-Ebene ein Kartell gebildet werden könne und ein steuerlicher Mindestsatz festgelegt werde. "Österreich hat einfach die Steuersätze nach unten gesenkt, was ein Standortvorteil ist."
Osterkamp und seine Coautoren konstatieren außerdem, dass das Steuersystem in Österreich eine höhere Effizienz als das deutsche aufweise: "Die Sätze sind niedriger und das Aufkommen ist höher." So beträgt der Satz für die Körperschaftssteuer in Österreich 25 Prozent, in Deutschland liegt die Steuerlast für Kapitalgesellschaften bei 38,6 Prozent.
Positiv für die Arbeitnehmer wirkt sich nach Ansicht des Ifo-Forschers auch der vergleichsweise lockere Kündigungsschutz in Österreich aus. "Insgesamt hat die Arbeitnehmerschaft vermutlich davon profitiert." So verfüge Österreich über weit flexiblere Regelungen für befristete Beschäftigungsverhältnisse und Leiharbeit. Auch das neue System laufend vorfinanzierter, portabler Abfertigungsansprüche sei positiv.
Nach all dem Lob aus Deutschland verwundert es nicht, dass auch der Blick der Österreicher in die Zukunft optimistisch ausfällt. Fast zwei Drittel sind laut der Imas-Umfrage der Ansicht, dass sich 2007 die Lage Österreichs verbessern oder zumindest gleich bleiben wird. (Alexandra FöderI-Schmid, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.1.2007)
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