Trotz der jüngsten Stabilisierung des Ifo-Index zum deutschen Geschäftsklima zweifeln Volkswirte an einer schnellen Erholung der Wirtschaft. "Es gibt noch keine Signale für ein kräftiges Anziehen der Konjunktur", sagte Klaus Abberger, der am Münchner Ifo Institut den Indikator betreut. Ähnlich äußerte sich Matthias Rubisch von der Commerzbank "Von einem neuen Aufschwung sind wir weit entfernt." Vor allem der hohe Ölpreis drehe das Wachstum in den kommenden Monaten zu belasten, so die Experten.
Wie das Ifo Institut mitteilte, hat der Geschäftsklimaindex seinen Abwärtstrend im Juni unterbrochen und legte um 0,4 auf 93,3 Punkte zu. Dabei äußerten sich die Unternehmen sowohl zu ihrer aktuellen Lage als auch zu den Erwartungen über künftige Geschäftsentwicklungen wieder etwas positiver. Die Volkswirte begründeten die Stabilisierung mit der kräftigen Euro-Abwertung seit dem Scheitern des französischen Verfassungsreferendums am 29. Mai und der Aussicht auf vorgezogene Neuwahlen in Deutschland.
In den Vormonaten haue sich die Stimmung unter den Unternehmern kontinuierlich und zum Teil rapide verschlechtert. Auch andere Indikatoren wie etwa die Industrieproduktion und Auftragseingänge hatten auf eine rapide Wachstumsverlangsamung hingedeutet. Einige Volkswirte schätzen gar, dass das Bruttoinlandsprodukt In Deutschland im gerade ablaufenden zweiten Quartal leicht geschrumpft Ist.
Die neuen Bedrohungen durch den Ölpreisanstieg der vergangenen Wochen sind nach Aussage Abbergers noch gar nicht in dem jüngsten Ifo-Ergebnis enthalten. ‚Die meisten Fragebögen wurden beantwortet, bevor der Ölpreis in der vergangenen Woche die medienwirksame Schwelle von 60 $ pro Barrel über stieg", so der Volkswirt. ‚Es ist davon auszugehen, dass der Ifo-lndex in den kommenden Monaten zunächst nicht weiter steigt', sagte Stefan Bielmeier von der Deutschen Bank. Bielmeier zufolge deuten auch die Details der Ifo-Umfragen daraufhin, dass die jüngste Erholung nicht nachhaltig sei. So gehe die Stabilisierung vor allem auf ein besseres Geschäftsklima im Groß- und Einzelhandel zu "Die Stimmung in diesen Branchen ist aber sehr schwankungsanfällig. Erst wenn sich das Klima im Verarbeitenden Gewerbe wieder deutlich verbessert, ist mit einer nachhaltigen Konjunkturerholung zu rechnen." Ähnlich äußerte sich Jürgen Michels von der Citigroup. "Angesichts der schwachen Einkommensentwicklung ist derzeit nicht mit einer echten Verbesserung des Privatkonsums zu rechnen." Diese sei aber notwendig, damit sich die Situation im Einzelhandel dauerhaft verbessere.
Auch von der nahenden Neuwahl versprechen sich die Analysten keinen schnellen Impuls für das Geschäftsklima und die Konjunktur. "Auf Grund der hohen Staatsdefizite hat die Finanzpolitik keinen Spielraum, kurzfristig die Konjunktur an zukurbeln", sagte Michels. Strukturreformen würden dagegen nur langfristig das Wachstum ankurbeln.
Ohnehin sei unklar, wie groß tatsächlich der Stimmungseffekt der Neuwahlankündigung im Juni gewesen sei, so Abberger. Zwar habe die Aussicht auf einen Regierungswechsel für eine positive Grundstimmung gesorgt. Da die Firmen aber ausdrücklich nach den Erwartungen für die kommenden sechs Monate gefragt würden und bis dahin noch keine positiven Auswirkungen neuer Regierungsvorhaben zu erwarten seien, halte er den Einfluss auf den aktuellen Ifo-Wert für gering.
Copyright by Financial Times Deutschland
Please send your comments or questions on specific articles to: presse@ifo.de. Please mention in your e-mail the article you are concerned with.
Phone: +49(0)89/9224-1604 Fax: +49(0)89/9224-1267
2012 2011 | 2010 | 2009 2008 | 2007 | 2006 2005 | 2004 | 2003 2002 | 2001 | 2000
Press Echo
Comments on current economic policy issues in Policy Debate: