Financial Times Deutschland, 24.-26.11.2006, Nr. 229, S. 20
Monika Dunkel
Das Lob kam aus berufenem Munde und diente wohl dazu, auch die letzten Skeptiker zum Schweigen zu bringen. In ihrem Monatsbericht widmete die Bundesbank der Ehrenrettung des bekanntesten deutschen Konjunkturindikators, des Ifo-Geschäftsklimas, ganze zwei Extraseiten. Das Fazit: Nach wie vor weise der Geschäftsklimaindex einen „statistisch belegbaren engen Zusammenhang zur allgemeinen Konjunkturentwicklung auf, welcher für prognostische Aussagen genutzt werden kann". Soll heißen: Der Ifo -Index taugt nach wie vor zur Konjunkturprognose.
Genau daran hatten Ökonomen Anfang des Jahres über Monate gezweifelt. Von irrationalen Kapriolen, Erwartungsblasen, und einer Entkoppelung des Indikators von der realen Konjunkturwelt war die Rede. Grund für so viel Zweifel boten die Höhenflüge des Index zum Jahresanfang 2006, als dieser über 100 Punkte schnellte und damit Niveaus wie im New-Economy-Boom erreichte. Mit den sehr vorsichtigen Konjunkturprognosen hatte das wenig zu tun - ebenso wenig wie mit den damals veröffentlichten ersten offiziellen Zahlen zum deutschen Wirtschaftswachstum.
Doch spätestens seit der jüngsten Revision der Daten zum Bruttoinlandsprodukt durch das Statistikamt Destatis scheint der Konjunkturkompass der Ifo-Experten rehabilitiert. „Wir haben dem Ifo- Index ein bisschen unrecht getan", sagte Andreas Scheuerle, Deutschlandexperte bei der Deka-Bank. „Die Wirklichkeit hat uns eingeholt." Auch Unicredit-Volkswirt Alexander Koch räumt ein „Umdenken" und ein „Unterschätzen der Stärke des Aufschwungs" ein. Im Nachhinein entpuppten sich Lage- und Erwartungseinschätzungen der Unternehmen als „gar nicht so schlecht". Mit anderen Worten: Der Indikator signalisierte Anfang des Jahres den robusten Aufschwung zutreffender als die Prognosen vieler Konjunkturgriesgrame - und besser als die ersten Schätzungen der Bundesstatistiker.
So lösten denn auch die gestern veröffentlichten Ifo-Stimmungswerte für November und die Details zum Bruttoinlandsprodukt eine Art Wachstumsorgie unter den Banken aus. Die deutsche Konjunktur wird nun fast unisono als stärker, robuster und dynamischer eingeschätzt als noch vor wenigen Monaten - eben wie es der Ifo-Frühindikator schon seit Monaten angezeigt hatte.
Als Entschuldigung für ihre arg pessimistischen früheren Vorhersagen führen die Ökonomen die zahlreichen Aufwärtsrevisionen der offiziellen Wachstumsdaten aus diesem Jahr an. Immerhin hatte auch das Statistikamt noch vor einem halben Jahr von einer vorübergehenden Stagnation des Bruttoinlandsprodukts zum Jahresende 2005 berichtet. Inzwischen steht nun ein spürbares Plus für das Quartal in den Daten. Und überhaupt habe man sich ja auch nicht voll auf den Ifo-Index verlassen können: Der Indikator impliziere für 2006 ein Wachstum von fünf Prozent. Das aber sei gerade von der Industrie erreicht worden. Die Dienstleister, die bei der Umfrage deutlich unterrepräsentiert sind, wüchsen deutlich langsamer.
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