Financial Times Deutschland vom 27.06.2001, S. 11
Von Gerhard Hegmann, München, und Birgit Marschall, Berlin
Der Anstieg der Energie- und Nahrungsmittelpreise hat nach Einschätzung von EZB-Präsident Wim Duisenberg den Rückgang der Inflation im Euro-Raum bereits im zweiten Quartal 2001 verzögert. Die Teuerung dürfte aber im weitere Jahresverlauf zurückgehen, sagte der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) auf der Jahresversammlung des Münchner Ifo-Instituts. Er forderte die Verbraucher auf, dennoch wachsam auf Preiserhöhungen Vorfeld der Euro-Bargeldeinführung Anfang 2002 zu achten.
Duisenberg hielt eine Rezession im Euro-Raum im laufenden Jahr für unwahrscheinlich. In seiner neuen Prognose für Deutschland und den Euro-Raum ging auch das Ifo-Institut gestern nicht von einem fallenden Bruttoinlandsprodukt (BIP) in zwei aufeinander folgenden Quartalen aus. Allerdings dürfte die deutsche Wirtschaft 2001 nur noch um 1,2 Prozent und der Euro-Raum um 1,9 Prozent gegenüber Vorjahr wachsen.
Duisenberg erwartete dagegen für 2001 und 2002 ein Euro-Wachstum in der Größenordnung "des trendmäß9gen Potenzialwachstums des Euro-Raums", das bei 2 bis 2,5 Prozent liege.
Er warnte vor zu hohen Lohnforderungen bei den anstehenden Tarifverhandlungen, was die Inflationsrate erhöhen könne. Von der Euro-Bargeldeinführung würden keine größeren Effekte auf das Geldmengenwachstum und Euro-Wechselkurs ausgehen. Die EZB werde die damit verbundenen Preisrisiken aber aufmerksam verfolgen. Es sei nicht auszuschließen, dass Unternehmen versuchten, die Euro-Umstellung für Preiserhöhungen zu nutzen. "Dies würde die Inflationsentwicklung im Euro-Raum temporär belasten."
Nach Einschätzung von Martin Hüfner, Chefvolkswirt der HypoVereinsbank, war die Rede Duisenbergs eher ein Signal dafür, dass in den nächsten Monaten keine Zinssenkung zu erwarten sei. Dagegen rechnet das Ifo-Institut mit einer Zinssenkung noch vor der Sommerpause um 0,25 Prozent.
Copyright by Financial Times Deutschland
Please send your comments or questions on specific articles to: presse@ifo.de. Please mention in your e-mail the article you are concerned with.
Phone: +49(0)89/9224-1604 Fax: +49(0)89/9224-1267
2012 2011 | 2010 | 2009 2008 | 2007 | 2006 2005 | 2004 | 2003 2002 | 2001 | 2000
Press Echo
Comments on current economic policy issues in Policy Debate: