Financial Times Deutschland vom 24-26.09.2001, S. 1
Von Christian Schütte, Berlin
Zahlreiche Ökonomen haben ihre Wachstumsprognosen für 2001 nochmals gesenkt. Nachdem neue Zahlen für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) gestern zeigten, dass die deutsche Wirtschaft derzeit stagniert, sagen Konjunkturforscher und Bankvolkswirte für das Gesamtjahr nun fast einmütig eine Wachstumsrate von weniger als 1,5 Prozent voraus.
Sie bleiben damit unter der Prognose der Regierung, die Bundeskanzler Gerhard Schröder erst kürzlich auf "zwischen 1,5 und 2 Prozent" gesenkt hatte. Das Finanzministerium äußerte sich betont vorsichtig zum Ausblick für dieses Jahr. Intern wird dort aber bereits erwartet, dass die Regierungsprognose noch im September gesenkt wird.
Auslöser der gestrigen Korrekturwerte waren revidierte Zahlen für das BIP, nach denen die deutsche Wirtschaft bereits seit der zweiten Jahreshälfte 2000 praktisch auf der Stelle tritt. Im zweiten Quartal dieses Jahres blieb das BIP zum Vorquartal unverändert. Im Vergleich zum Vorjahr wuchs es nur noch um 0,6 Prozent, meldete das Statistische Bundesamt.
Mit den nun bekannten Daten lässt sich die Wachstumsrate für 2001 bereits recht gut berechnen, grundlegende Korrekturen der Prognosen sind nicht mehr zu erwarten. Die Diskussion unter den Ökonomen konzentriert sich bereits auf die Entwicklung in 2002.
Die drei großen Forschungsinstitute aus Berlin, Kiel und München hatten für 2001 bislang schon ein Wachstum von nur 1,0 bis 1,3 Prozent erwartet. Gestern senkten auch das Institut für Wirtschaftsforschung in Halle (IWH) und das HWWA-Institut in Harnburg ihre Vorhersage auf "unter 1,5 Prozent". Das Rheinisch-Westfälische Wirtschaftsforschungsinstitut (RWI) in Essen hält 1,5 Prozent in 2001 noch für erreichbar, senkte aber seine Prognose für 2002 von 2,3 auf 2,1 Prozent. Diese sechs Institute legen im September ihr nächstes gemeinsames Gutachten für die Regierung vor.
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