Von Sebastian Dullien, Berlin
Financial Times Deutschland, 22.10.2003, S. 16
Trotz der eher verhaltenen Prognose zum deutschen Wirtschaftswachstum setzen die Institute für 2004 auf eine Stabilisierung der Lage am Arbeitsmarkt. Ab Mitte des Jahres dürfte die Erwerbstätigkeit danach wieder steigen und die Arbeitslosigkeit in saisonbereinigter Rechnung zurückgehen. Als einen Grund nannten die Ökonomen, dass die Beschäftigung dank einiger Reformen heute schneller auf Wirtschaftswachstum reagiere als früher.
Nach einer alten und offenbar überholten Faustregel entstehen in Deutschland erst Jobs, wenn die Wirtschaft mit mindestens 2 bis 2,5 Prozent expandiert. Die Institute erwarten für 2004 aber lediglich einen jahresdurchschnittlichen Anstieg des deutschen Bruttoinlandsprodukts um 1,7 Prozent.
Zwar sei keine durchgreifende Erholung am Arbeitsmarkt zu erwarten, heißt es im Herbstgutachten der Experten. Die Beschäftigung werde 2004 aber wegen "der dann deutlicheren Auswirkungen der neuen Arbeitsmarktpolitik" steigen. Auch die Arbeitslosigkeit werde ab Sommer 2004 zurückgehen, allerdings langsamer als die Beschäftigung steige, weil ein Teil der neuen Jobs von Menschen besetzt werde, die bislang nicht arbeitslos gemeldet sind: Beispiel Hausfrauen oder Studenten.
Weil es erst in der zweiten Hälfte 2004 zur Wende komme, werde die Beschäftigung im Jahresschnitt noch um 100 000 Personen niedriger liegen als 2003. Die Arbeitslosigkeit werde mit 4,448 Millionen Personen um knapp 50 000 höher liegen.
Veränderungen wie die Hartz-Reformen tragen laut den Experten dazu bei, dass schon bei weniger als zwei Prozent Wirtschaftswachstum neue Beschäftigung entstehe. "Die Arbeitsmarktreformen sind geeignet, die Beschäftigungsschwelle zu senken", sagte Udo Ludwig vom Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH). Dies werde sich im nächsten konjunkturellen Aufschwung durch ein schnelleres Jobwachstum auszahlen.
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