Financial Times Deutschland vom 05.04.2001
Von Cordula Witt
Kinder sind weitaus teurer als ein LuxusSportwagen oder ein Einfaniflienhaus. Zu diesem Schluss kommt Martin Werding, Experte für Sozialpolitik am Münchener Ifo-Institut. Der Ökonom hat die Kosten errechnet, die ein Kind bis zu seinem 18. Lebensjahr verursacht. So gibt ein Ehepaar für ein Einzelkind rund 470 000 DM aus, davon allein 150 000 DM für Nahrung, Kleidung, Urlaub und Freizeitvergnügen. Gleichzeitig hatten die Eltern weniger Zeit zum Geldverdienen als Kinderlose. Diesen entgangenen Nettolohn rechnet Werding mit.
Mit Steuerfreibeträgen, Kindergeld oder Erleichterungen durch die kostenlose Krankenversicherung für Kinder sowie Geldern für die Bildung legt der Staat rund 245 000 DM drauf. Macht unterm Strich also etwa 715 000 DM, bis das Kind in die Volljährigkeit entlassen wird.
Zum Jahresanfang haben auch die Wissenschaftler im Beirat des Bundesfamilienministeriums, Ministerin Christine Bergmann solche Zahlen vorgelegt.
Eheleute mit zwei Kindern investieren danach rund 660 000 DM nach heutigen Preisen, bis ihr jüngstes 18 Jahre alt ist. Rund ein Drittel geben sie direkt aus. Zwei weitere Drittel entgehen ihnen dadurch, dass sie im Beruf Abstriche hinnehmen müssen. Mit direkter und indirekter staatlicher Unterstützung verursachen zwei Kinder mehr als 1,1 Mio. DM Kosten. Diese werden bei zwei Kindern zu 40 Prozent vom Staat getragen, beim Einzelkind nur zum Drittel.
Familien sparen über Kindererziehungszeiten bei der Rente und die Mitversicherung in der Krankenkasse zwar mehrere Zehntausend DM. Dennoch laufe bei der Rente vieles falsch, sagt Werding. "Die Leute bekommen den Anreiz, weder in Kinder zu investieren noch genug eigenes Kapital fürs Alter zu investieren." Für Kinder seien die Sozialbeiträge zu hoch und als Anreiz zum Sparen seien die absehbaren Renten zu hoch.
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