Financial Times Deutschland, 04.08.2004, S. 16
Von Sebastian Dullien, Berlin
Der Ifo-Index gilt als der wichtigste Konjunkturindikator für die deutsche Wirtschaft. Er ist einer der wenigen europäischen Konjunkturindikatoren, der auch regelmäßig Aktien-, Devisen- und Anleihenmärkte beeinflusst.
Laut Abberger wird der Ifo-Index trotz der geplanten Erweiterungen in der bisherigen Form bestehen bleiben. "Der bisherige Index ist etabliert und für den EU-Vergleich harmonisiert", sagte der Ökonom. Im Gegensatz zu anderen Stimmungsindikatoren gäbe es eine lange historische Datenreihe.
Wie genau die Kompatibilität mit der bisherigen Datenreihe mit dem Ziel einer stärkeren Berücksichtigung der Service-Unternehmen verwirklicht wird, sei deshalb noch nicht klar. Denkbar sei ein Index speziell für den Servicesektor. Allerdings müssten zunächst mit den Befragungen Erfahrungen gesammelt werden, sodass die Veröffentlichung eines erweiterten Index möglicherweise erst in zwei bis drei Jahren beginne.
Bislang umfasst der Ifo-Index zum deutschen Geschäftsklima das verarbeitende Gewerbe, den Bau, sowie den Groß- und Einzelhandel. Das Institut befragt allerdings in separaten Umfragen auch andere Dienstleister. Diese Umfragen sollen nach Vorstellungen Abbergers nun ausgebaut und in das Geschäftsklima integriert werden.
Mit modernen statistischen Methoden möchte der Ökonom zudem die Aussagekraft des Index erhöhen. Analysten hatten zuletzt kritisiert, dass der Indikator zwar anzeige, ob sich die Wirtschaft im Auf- oder Abschwung befinde, über die Stärke des Wirtschaftswachstums aber keine Rückschlüsse zulasse.
"Möglicherweise sind aus den Daten noch mehr Erkenntnisse herauszuholen", sagte Abberger. Als Beispiel nannte der Ökonom die Zahl der Unternehmen, die ihre Aussichten unverändert zum Vormonat sehen. Das Geschäftsklima wird aus dem Saldo der Zahl jener Firmen gebildet, die sich optimistisch äußern, und jenen, die sich pessimistisch geben. Denkbar ist laut Abberger, dass sich dieser Saldo besser interpretieren lässt, wenn man die Zahl jener Unternehmen mit berücksichtigt, deren Aussichten gleich geblieben sind.
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