Financial Times Deutschland (ftd.de), 18.02.2004
Der weltweite Konjunkturaufschwung wird laut Ifo-Institut in den nächsten Monaten an Fahrt gewinnen. Europa der Entwicklung jedoch etwas hinterherhinken.
Die Stimmung in der Weltwirtschaft habe sich nochmals deutlich verbessert, teilte das Institut am Mittwoch in München mit. Der Weltwirtschaftsklima-Index stieg seit der vergangenen Befragung vor drei Monaten von 100,2 auf 111,0 Punkte - dem höchsten Wert seit dem Sommer des Jahres 2000. Ifo ermittelt das Weltwirtschaftsklima vier Mal im Jahr durch eine Befragung von mehr als 1100 Experten aus 92 Staaten.
Das Klima in der Weltwirtschaft hellt sich nunmehr seit mehr als einem Jahr kontinuierlich auf. Bei der jüngsten Befragung beurteilten die Experten vor allem die aktuelle Geschäftslage besser. Der entsprechende Index verbesserte sich sprunghaft von 76,7 auf 93,2 Punkte. Die bisher schon optimistischen Geschäftserwartungen für die kommenden Monate legten noch einmal von 122,8 auf 128,1 Punkte zu. "Insgesamt sind die neuen Umfrageergebnisse ein weiteres Indiz dafür, dass der Konjunkturaufschwung weltweit Tritt gefasst hat und in den nächsten Monaten weiter an Stärke gewinnen wird", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.
Rekord in Asien und Amerika
In allen Weltregionen schätzten die Experten den Aufschwung als robust ein und gingen von einer Fortsetzung über die kommenden ein bis zwei Jahre aus, sagte Sinn. In Nordamerika verbesserte sich das Wirtschaftsklima besonders: Der Indikator erreichte hier mit 122,7 Punkten ein Rekordhoch. Auch für Asien bewerteten die Experten das Wirtschaftsklima so zuversichtlich wie nie zuvor in der seit 1990 durchgeführten Umfrage. Die Entwicklung in Europa blieb dagegen deutlich zurück, der Indikator stieg aber erstmals seit Frühjahr 2002 wieder über den langfristigen Durchschnitt.
Den Euro sehen dem Ifo zufolge immer mehr Experten als überbewertet an, der Dollar gilt zunehmend als unterbewertet. Die Inflation bleibt in den wichtigsten Wirtschaftsräumen der Welt nach Ansicht der Experten unter Kontrolle. "Im Euroraum wird mit einem Preisanstieg knapp unter der Zwei-Prozent-Marke gerechnet, was ziemlich genau den Zielvorstellungen der Europäischen Zentralbank (EZB) entspräche", sagte Sinn. Die EZB richtet ihre Zinspolitik maßgeblich an einem stabilen Preisniveau aus.
Terroristen schüchtern kaum ein
Ein Thema für die Wirtschaftsexperten bleibt dem Ifo zufolge auch die Angst vor Anschlägen. "Die Angst vor terroristischen Angriffen wird das weltweite wirtschaftliche Wachstum in 2004 nur geringfügig verlangsamen", sagte Sinn. Diese Angst sei im Nahen Osten, in Russland und den USA überdurchschnittlich ausgeprägt. "Die damit zusammenhängenden Sicherheitsauflagen belasten die Unternehmen mehr als in anderen Regionen."
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