Financial Times Deutschland 27.01.05, Nr 19, S.16
Der jüngste Anstieg des Ifo-Geschäftsklimaindex deutet Experten zufolge auf eine Erholung von Konsum- und Investitionsnachfrage in Deutschland hin. "Die Daten lassen auf eine stärkere Binnennachfrage in den nächsten Monaten schließen, sagte Lorenzo Codogno von der Bank of America. "Die Stimmungsverbesserung vor allem im Einzelhandel und beim Bau deutet darauf hin, dass 2005 die Binnennachfrage zum ersten Mal seit 2001 wieder zulegen könnte', erklärte Jürgen Michels von der Citigroup.
Zum ersten Mal seit Beginn der wirtschaftlichen Erholung Ende 2003 zeichnet sich damit eine etwas bessere Entwicklung von Konsum und Investitionen in den Umfragedaten ab. Zwar hatten Ökonomen wieder holt ein Anspringen des privaten Verbrauchs prognostiziert, bis in den Spätherbst 2004 hinein hatte sich die Lage im Einzelhandel und auch die Stimmung aber weiter verschlechtert. Erst im Dezember konnten die Händler von einem guten Weihnachtsgeschäft berichten.
Wie das lfo-lnstitut gestern mitteilte, verbesserte sich das Geschäftsklima in Deutschland im Januar gegenüber dem Vormonat leicht um 02 auf 96,4 Punkte. Optimistischer äußerten sich die befragten Unternehmen vor allem zu den Aussichten für die kommenden Monate. Der entsprechende Teilindex stieg um 1,1i auf 97,6 Punkte. Der Indikator für die aktuelle Lage gab dagegen um 0,7 auf 95,3 Punkte nach. Die größten Veränderungen gab es beim Einzelhandel: Die Erwartungen verbesserten sich stark, während die Lageeinschätzung nach einem kräftigen Plus im Dezember leicht nachgab.
"Offenbar verspricht sich der Handel einen positiven Impuls von der letzten Stufe der Steuerreform, die am 1. Januar in Kraft getreten ist', sagte Stefan Bielmeier Von der Deutschen Bank. Ähnlich äußerte sich auch Gernot Nerb, der am lfo-Institut die Umfragen auswertet. Nerb zufolge deutet sich in den Umfrageergebnissen auch ein spürbarer Zuwachs bei der Investitionstätigkeit in Deutschland an. "Die Exporterwartungen in der Industrie haben spürbar nachgelassen. Gleichzeitig berichten die Investitionsgüterhersteller von guter Auftragslage", so der Experte. Dies deute daraufhin, dass zunehmend Maschinen und andere Ausrüstungen aus dem Inland bestellt würden. Zwar lägen die Exporterwartungen auf einem hohen Niveau, für das laufende Jahr sei aber wegen des teuren Euro und des etwas langsameren Wachstums der Weltwirtschaft mit einem deutlich langsameren Ausfuhrwachstum als 2004 zu rechnen.
Gerade vor diesem Hintergrund sind Experten zufolge die jüngsten Ifo-Ergebnisse erfreulich. "Die aktuellen Daten nähren die Hoffnung, dass der Übergang von einem exportgetriebenen zu einem von der Binnenkonjunktur gestützten Wachstum zumindest teilweise gelingen könnte", sagte Harald Jörg von der Allianzgruppe. Ähnlich äußerte sich Stefan Bielmeier von der Deutschen Bank. ,, Das jüngste Ifo-Ergebnis ist eine erfreuliche Nachricht. Die Wachstumsdelle aus dem Herbst könnte sich als vorübergehend erweisen."
Im dritten Quartal 2004 war das deutsche Wirtschaftswachstum von 0,4 auf nur noch 0,1 Prozent eingebrochen. Einige Volkswirte hatten für das vierte Quartal eine neue Beschleunigung prognostiziert, die Bundesbank hatte allerdings in ihrem Januar-Monatsbericht geschrieben, die Wirtschaft sei kaum schneller als im Vorquartal gewachsen.
Copyright by Financial Times Deutschland
Please send your comments or questions on specific articles to: presse@ifo.de. Please mention in your e-mail the article you are concerned with.
Phone: +49(0)89/9224-1604 Fax: +49(0)89/9224-1267
2012 2011 | 2010 | 2009 2008 | 2007 | 2006 2005 | 2004 | 2003 2002 | 2001 | 2000
Press Echo
Comments on current economic policy issues in Policy Debate: