Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.09.2008, Nr. 227, S. 14
Der Bonner Experimentalökonom Armin Falk wird mit dem Gossen-Preis des Vereins für Socialpolitik (VfS) ausgezeichnet, der Präsident des Ifo-Instituts Hans-Werner Sinn erhalt den Gustav-Stolper-Preis des Vereins. Der mit 10 000 Euro dotierte Gossen-Preis, benannt nach den Ökonomen Hermann Heinrich Gossen aus dem neunzehnten Jahrhundert, gilt als eine der wichtigsten Ehrungen für jüngere Wirtschaftswissenschaftler aus dem deutschsprachigen Raum. Falk, geboren 1968, hat sich international einen Namen mit seinen experimentellen Forschungsarbeiten gemacht. Darin hat er gezeigt, dass Menschen in wirtschaftlichen Fragen meist weniger egoistisch und strikt rational agieren, als von der klassischen Wirtschaftswissenschaft angenommen wurde. Die Motivationen und Gefühle sind vielschichtiger. Ein Experiment legte nahe, dass Kontrolle von Mitarbeitern deren Arbeitsbereitschaft senkt. Wenn hingegen der Arbeitgeber ihnen Vertrau- en schenke, nehme die Leistungsbereitschaft zu. Andere Experimente werfen zusätzliche Zweifel auf das Bild des „Homo oeconomicus", der nur strikt Kosten und Nutzen abwäge und seinen eigenen Gewinn maximiere. Auch frühere Träger des Gossen-Preises wie Axel Ockenfels (2006), Simon Gächter (2005), Klaus Schmidt (2001) und Ernst Fehr (1999) gelten als rührende Vertreter einer experimentellen Spieltheorie.
Eher die klassische Nationalökonomie vertritt Hans-Werner Sinn. Der Münchner Ökonom und Finanzwissenschaftler, zwanzig Jahre älter als Falk, habe die öffentlichen Debatten in Deutschland über Wirtschaftsfragen in den vergangenen Jahren stark geprägt, heißt es in der Begründung des Vereins für Socialpolitik. Sinn sagte scherzhaft, er habe „oft so viel Ärger gehabt", dass der Preis für ihn nur mehr recht als billig sei. Die mit 5000 Euro dotierte Ehrung ist nach Gustav-Stolper, einem Wirtschaftsjournalisten der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts, benannt. Sie wurde dieses Jahr vom VfS, der Vereinigung der deutschsprachigen Ökonomen, zum zweiten Mal vergeben. ppl.
Please send your comments or questions on specific articles to: presse@ifo.de. Please mention in your e-mail the article you are concerned with.
Phone: +49(0)89/9224-1604 Fax: +49(0)89/9224-1267
2012 2011 | 2010 | 2009 2008 | 2007 | 2006 2005 | 2004 | 2003 2002 | 2001 | 2000
Press Echo
Comments on current economic policy issues in Policy Debate: