Wirtschaftswoche, 31.07.2006, Nr. 31, S. 46
Die Aussichten für die deutsche Exportwirtschaft haben sich im Juni erstmals seit zwölf Monaten wieder eingetrübt. Der vom Münchner Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung exklusiv für die WirtschaftsWoche ermittelte Exportklimaindikator sank gegenüber Mai deutlich um 0,06 auf 0,16 Punkte. Sollte sich die Abwärtsbewegung in den nächsten Monaten fortsetzen, dürfte dies nach Ansicht des Ifo-Instituts eine Trendwende in der weltwirtschaftlichen Entwicklung markieren. Ausschlaggebend für die Eintrübung war die Verschlechterung des Wirtschaftsklimas in den USA. Neben dem Geschäftsklima hat sich auch das Konsumklima in der größten Volkswirtschaft der Welt abgekühlt In Japan ist das Wirtschaftsklima im Juni ebenfalls schlechter ausgefallen. Dagegen haben sich die Rahmenbedingungen bei den europäischen Handelspartnern verbessert. Während sich die Stimmung bei den Unternehmen nochmals aufhellte, blieb das Konsumklima unverändert. Leicht bremsende Effekte gingen im Juni von der preislichen Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Exporteure aus, die sich infolge der festeren Notierung des Euro etwas verschlechterte. Die Exporterwartungen der deutschen Unternehmen haben sich denn auch merklich eingetrübt. Der Stimmungssaldo sackte von 23,7 Punkten im Mai auf 20,8 Punkte im Juni. Dazu beigetragen hat, dass die Bestellungen aus dem Ausland bei den deutschen Industrieunternehmen im Mai. saisonbereinigt um 4,2 Prozent gegenüber dem Vormonat einbrachen. Auch das Wachstum der Exporte hat sich zuletzt abgeschwächt. Die reale Ausfuhr nahm im Mai nur noch um 7,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu. Im Februar hatte die Wachstumsrate mit knapp 9,2 Prozent ihren zyklischen Höhepunkt erreicht. Im vergangenen Jahr hat Deutschland nach Berechnungen der Welthandelsorganisation (WTO) seine Position als Exportweltmeister verteidigt. Deutsche Unternehmen lieferten Waren im Wert von umgerechnet 970,7 Milliarden US- Dollar ins Ausland, deutlich mehr als die USA (904,3 Milliarden Dollar) und China (762 Milliarden Dollar), die auf den Plätzen zwei und drei folgen
Geschäftsklima Das Stimmungshoch in der deutschen Wirtschaft geht zu Ende. Der Ifo-Geschäftsklimaindex gab im Juli von 106,8 auf 105,6 Punkte nach. Damit folgt der Index anderen wichtigen Frühindikatoren für die deutsche Wirtschaft wie dem Earlybird der WirtschaftsWoche und dem vom Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim ermittelten Saldo der Konjunkturerwartungen, die schon seit einigen Monaten nach unten weisen. Die vom Ifo-Institut befragten Unternehmen in der gewerblichen Wirtschaft beurteilten im Juli sowohl ihre aktuelle Lage als auch die Aussichten für die nächsten sechs Monate ungünstiger als im Vormonat. Während sich der Teil-Index zur Lagebeurteilung nur moderat von 109,4 auf 108,6 Punkte abschwächte, fiel der Erwartungsindex deutlicher von 104,2 auf 102,6 Zähler. Ein Grund dafür dürfte sein, dass die Unternehmen bei den Angaben für die nächsten sechs Monate nun die dämpfenden Effekte der zum l. Januar 2007 beschlossenen Mehrwertsteuererhöhung verstärkt in den Blick nehmen.
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