WirtschaftsWoche, 30.07.2007, Nr. 31, S. 45
Die Unsicherheiten über den weiteren Verlauf der deutschen Konjunktur nehmen zu. Das zeigen zwei Frühindikatoren, die in der vergangenen Woche beide vom Münchner ifo Institut für "Wirtschaftsforschung veröffentlicht wurden.
Der Exportklimaindex, den das Münchner Institut monatlich exklusiv für die WirtschaftsWoche ermittelt, stieg im Juni leicht von minus 0,2 auf minus 0,17 Punkte, nachdem er zuvor acht Monate in Folge gesunken war. Den Anstieg bewirkte vor allem die gute Stimmung der Unternehmen und Konsumenten in den Ländern der Europäischen Union, was auf gute Absatzperspektiven für deutsche Unternehmen schließen lässt. Damit scheint sich Europa ein Stück weit von der amerikanischen Konjunktur abzukoppeln: Jenseits des Atlantiks hat sich das Wirtschaftsklima etwas eingetrübt. Die Geschäftsaussichten der Unternehmen blieben zwar unverändert, aber die Stimmung der Konsumenten trübte sich weiter ein. Offenbar beeinträchtigen die Krise am US-Immobilienmarkt und die gestiegenen Benzinpreise die Kauflaune der ansonsten so konsumfreudigen Amerikaner. Ein weiterer Grund für die Aufhellung des Exportklimas ist, dass sich die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen im Juni erstmals seit Herbst 2006 wieder leicht um 0,2 Prozent verbessert hat. Diese berücksichtigt neben dem Wechselkurs des Euro zum US-Dollar auch die Außenwerte gegenüber anderen wichtigen Währungen sowie die unterschiedliche Preisentwicklung im In- und Ausland. Zur Entwarnung ist es allerdings noch zu früh. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die preisliche Wettbewerbsfähigkeit um 2,2 Prozent verschlechtert. Zudem setzte der Euro seinen Höhenflug gegenüber dem Dollar im Juli beschleunigt fort - der Wechselkurs kletterte im Schnitt um mehr als zwei Prozent gegenüber dem Vormonat Bislang scheint der starke Euro allerdings noch keine tieferen Bremsspuren beim Export zu hinterlassen. So hielten sich die Exporterwartungen der Unternehmen im Juni mit 21,6 Punkten auf hohem Niveau (Mai: 21,5 Punkte). Der Grund für den Optimismus: Die Auslandsbestellungen in der Industrie legten im Mai saisonbereinigt um 4,4 Prozent zu - niemals genug, um den Rückgang im Vormonat zu kompensieren. Die reale Ausfuhr stieg im Mai um 7,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr, nach 7,9 Prozent im April.
Das Ifo-Geschäftsklima, das neben dem Exportsektor auch binnenorientierte Branchen wie die Bauwirtschaft und den Einzelhandel umfasst, hat sich dagegen zuletzt eingetrübt. Der Index sank von 107,0 Punkten im Juni auf 106,4 Zähler im Juli. Dies war der zweite Rückgang in Folge. Sollte der Klimaindex auch im nächsten Monat sinken, wäre das nach herrschender Ansicht ein klares Signal für eine Trendwende der Konjunktur nach unten. Zu dem jüngsten Rückgang hat vor allem die Eintrübung der Aussichten für die nächsten Monate beigetragen. Der entsprechende Teilindex gab von 102,8 auf 101,8 Punkte nach. Der Index zur Beurteilung der aktuellen Lage veränderte sich dagegen kaum (111,3 nach 111,4 Punkten). Analysten führen die Stimmungseintrübung auf die gestiegenen Zinsen, die Aufwertung des Euro, den hohen Ölpreis sowie die Verunsicherung durch die US-Immobilienkrise zurück. Für die nächsten Quartale rechnen sie daher mit einer Verlangsamung der konjunkturellen Expansion.
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