Wirtschaftswoche, 28.06.2010, S. 33
Deutschlands Unternehmen investieren wieder mehr in Maschinen und Anlagen. Allerdings ist die Investitionstätigkeit noch weit davon entfernt, die Rolle der Konjunkturlokomotive zu übernehmen. In den nächsten Monaten werden die Ausrüstungsinvestitionen der Unternehmen weiter moderat zulegen, zum Jahresende ist wegen der auslaufenden degressiven Abschreibung mit zusätzlichen Impulsen durch Vorzieheffekte zu rechnen.
2011 dürfte sich der moderate Aufwärtstrend dann fortsetzen. Darauf deutet der Frühindikator für die Ausrüstungsinvestitionen hin, den das Münchner ifo Institut und der Bundesverband Deutscher Leasing-Unternehmen (BDL) exklusiv für die WirtschaftsWoche ermitteln. Grundlage des Indikators sind Umfragen der Leasinggesellschaften zur aktuellen Geschäftslage. Den moderaten Aufwärtstrend führen die Ökonomen von ifo und BDL auf die steigenden Bestelleingänge der Unternehmen vor allem aus dem Ausland zurück. Positive Impulse gehen zudem von den Investitionen der heimischen Autoindustrie in neue Antriebstechnologien aus. Auch die Nachfrage nach konventionell angetriebenen Kraftfahrzeugen hat sich belebt. Von Januar bis Mai wurden vier Prozent mehr Nutzfahrzeuge zugelassen als im Vorjahr. Bei den Pkw-Flotten gab es ebenfalls Zuwächse. Als Investitionsbremsen identifizieren die ifo-Ökonomen hingegen die unterausgelasteten Kapazitäten, die Finanzierungsschwierigkeiten der Betriebe sowie die Unsicherheit im Zusammenhang mit der Staatsschuldenkrise.
Letztere hat wohl auch dazu beigetragen, dass die vom ifo Institut ermittelten Geschäftserwartungen für die Gesamtwirtschaft im Juni um 1,3 auf 102,4 Punkte zurückgegangen sind. Experten werten dies als Zeichen dafür, dass sich die Konjunktur in der zweiten Jahreshälfte etwas abschwächt. Dagegen beurteilten die befragten Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage besser als im Vormonat. Der Geschäftsklimaindex insgesamt legte leicht um 0,3 auf 101,8 Zähler zu. Einkaufsmanager skeptischer Die Einkaufsmanager blicken wieder etwas skeptischer in die Zukunft. Der vom Marktforschungsinstitut Markit durch Umfragen ermittelte Index für die deutsche Industrie sank im Juni leicht um 0,3 auf 58,1 Punkte. Allerdings liegt er damit noch immer deutlich über der Marke von 50 Zählern, die den Expansions- vom Kontraktionsbereich trennt. Auch der Index für den Dienstleistungssektor gab leicht nach, mit 54,6 Punkten lag er aber ebenfalls noch deutlich im Expansionsbereich. Nach Ansicht von Analysten deutet sich damit für die zweite Jahreshälfte eine langsamere Gangart der Konjunktur an. Einen Rückfall in die Rezession erwarten die Experten jedoch nicht.
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