Wirtschaftswoche, 26.05.2008, Nr. 22, S. 45
Kann Deutschland 2008 seinen Titel als Exportweltmeister wider Erwarten doch gegen China verteidigen? Die Bundesagentur für Außenwirtschaft (bfai) preschte in der vergangenen Woche mit folgendem Szenario vor: Angesichts der schwächelnden Wirtschaft in den USA und des niedrigen Dollar-Kurses (der Importe verteuert) könnten die chinesischen Exporte nach Amerika in diesem Jahr einbrechen - und uns abermals zum Titel verhelfen.
In der Tat liegt Deutschland in der globalen Exportstatistik derzeit noch vorn. In den ersten drei Monaten kletterte der Wert der Ausfuhren laut bfai um 21 Prozent auf 379 Milliarden Dollar - in China lag das Volumen bei 306 Milliarden Dollar (plus 21,4 Prozent). Doch auch wenn die Exporterwartungen der Unternehmen im April nochmals von 13,4 auf 14,2 Saldenpunkte angestiegen sind, könnte der Vorsprung bald dahinschmelzen. Denn die Exportperspektiven in Deutschland haben sich im April merklich abgekühlt. Der vom Münchner ifo Institut exklusiv für die WirtschaftsWoche ermittelte Exportklimaindikator gab im Vergleich zum Vormonat um 0,13 auf minus 1,023 Punkte nach (siehe Grafik) - dies war der nunmehr 19. monatliche Rückgang in Folge. Der Indikator liegt damit auf dem niedrigsten Stand seit November 2001.
"Ein Grund für diese Entwicklung ist die starke Eintrübung des Konsumklimas bei den wichtigsten Handelspartnern in Europa, in den USA und auch in Japan", analysieren die ifo-Ökonomen. Zudem sei "weiterhin ein spürbarer Aufwertungsdruck auf den Euro zu verzeichnen". Die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen habe sich dadurch gegenüber dem Vormonat "merklich verschlechtert".
Das scheint sich auch bereits in den Auftragsbüchern niederzuschlagen: Die Auslandsbestellungen beim verarbeitenden Gewerbe schrumpften im April um saisonbereinigt 0,4 Prozent gegenüber dem Vormonat. Im Vergleich zum Vorjahr lag das Minus sogar bei 3,5 Prozent. In den Vormonaten hatten die Auftragseingänge der Unternehmen noch deutlich zulegen können.
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