Wirtschaftswoche, 26.04.2010, S. 35
Die Chancen auf einen nachhaltigen Aufschwung der deutschen Wirtschaft nehmen zu - und wie in früheren Erholungsphasen sind auch diesmal die Ausfuhren die treibende Kraft. Das zeigt der Exportklimaindex, den das Münchner ifo Institut exklusiv für die WirtschaftsWoche ermittelt. Im März kletterte der Index auf 1,69 Punkte, das ist der höchste Stand seit 16 Jahren. Nahezu alle wichtigen Komponenten des Exportbarometers zeigten nach oben. So haben sich die Geschäftsaussichten der Unternehmen in der Europäischen Union und in Japan deutlich aufgehellt. Die Einkaufsmanager der Industrie in der Euro-Zone beurteilten die wirtschaftlichen Aussichten im April besser als im Vormonat, der entsprechende Index nahm von 56,6 auf 57,5 Punkte zu. Auch der Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor verbesserte sich, nach 54,1 Zählern im März stieg er im April auf 55,5 Zähler. Werte über 50 signalisieren eine steigende Produktion. In Frankreich, dem wichtigsten Handelspartner Deutschlands, verbesserte sich der Einkaufsmanagerindex für die Industrie leicht auf 56,7 Zähler. Kräftige Impulse für die deutsche Exportwirtschaft kommen auch aus Asien. In China legte das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal um 11,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu. Mit einem Anteil von knapp fünf Prozent an den deutschen Exporten ist China als Absatzmarkt für Deutschland fast ebenso wichtig wie die USA (Anteil: sechs Prozent). In Amerika scheint sich die Konjunktur ebenfalls zu festigen, der vom Conference Board ermittelte Index der Frühindikatoren legte im März um 1,4 Prozent gegenüber Februar zu. Die gute Auslandskonjunktur macht sich in den Auftragsbüchern der deutschen Industrie bemerkbar. Im Februar bestellten ausländische Kunden 1,8 Prozent mehr Waren als im Januar, ein Plus von knapp 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Forschungsinstitute prognostizieren in ihrem Frühjahrsgutachten für 2010 ein Exportplus von gut sieben Prozent. 2009 waren die Ausfuhren noch um 14 Prozent gesunken.
Die deutschen Finanzmarktanalysten blicken wieder zuversichtlicher in die Zukunft. Der vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) ermittelte Index der Konjunkturerwartungen kletterte im April um 8,5 auf 53,0 Zähler. Damit liegt er deutlich über seinem historischen Mittelwert von 27,3 Punkten. Die Bewertung der aktuellen Lage verbesserte sich um 12,7 auf minus 39,2 Zähler. Die Stimmung unter den Einkaufsmanagern in der Industrie kletterte im April auf ein neues Rekordhoch von 61,3 Zählern. Im Dienstleistungssektor stieg der entsprechende Index leicht von 54,9 auf 55,0 Zähler. Das spricht für eine hohe Wachstumsrate der Wirtschaft im zweiten Quartal.
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