Wirtschaftswoche, 26.02.2007, Nr. 9, S. 54
Die Aussichten für die deutsche Exportwirtschaft trüben sich ein. Der Exportklimaindex, den das Münchner ifo Institut für Wirtschaftsforschung monatlich exklusiv für die Wirtschaftswoche ermittelt, hat sich im Januar deutlich verschlechtert. Gegenüber Dezember sank der Indikator um 0,07 auf 0,04 Punkte. Das ist der niedrigste Stand seit Februar 2006. Ausschlaggebend dafür war die Eintrübung des Wirtschaftsklimas in den Ländern der Europäischen Union. Mit einem Anteil von 62 Prozent an den deutschen Ausfuhren sind sie der mit Abstand wichtigste ausländische Absatzmarkt für die deutschen Unternehmen. Während sich das Geschäftsklima in der Europäischen Union deutlich verschlechterte, gab das Konsumklima nur leicht nach.
Von den USA gingen im Januar weder positive noch negative Impulse auf das Exportklima aus. Sowohl das Geschäfts- als auch das Konsumklima in der größten Volkswirtschaft der Welt blieben stabil. Stimulierende Effekte kamen aus Japan, wo sich das Wirtschaftsklima leicht aufhellte. Vom Wechselkurs des Euro gingen im Januar belebende Wirkungen auf die Ausfuhren aus, da sich der Euro gegenüber dem Dollar leicht verbilligte. Für Februar dürften von dieser Seite allerdings wieder belastende Effekte kommen. In der vergangenen Woche übersprang der Euro zum ersten Mal seit Anfang Januar wieder die Marke von 1,31 Dollar. Analysten rechnen für die nächsten Monate mit einer weiteren Aufwertung der Gemeinschaftswährung. Der Grund: Der Chef der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Triebet, hatte unlängst angedeutet, dass die Notenbanker den Leitzins über die erwartete Anhebung im März hinaus weiter nach oben schleusen könnten. Die Ökonomen der Investmentbank Goldman Sachs rechnen daher auf Sicht von zwölf Monaten mit einer Verteuerung des Euro auf 1,37 Dollar. Deshalb kann es nicht verwundern, dass sich die Exporterwartungen der Unternehmen im Januar eintrübten. Der entsprechende Index sank von 22,5 Punkten im Dezember auf 21,6 Punkte im Januar. Dazu dürfte auch beigetragen haben, dass die Auslandsbestellungen beim verarbeitenden Gewerbe im Dezember saisonbereinigt um 0,4 Prozent gegenüber dem Vormonat gesunken sind. Ihr Vorjahresniveau überschritten sie damit nur noch um 0,8 Prozent Das deutet darauf hin, dass sich die Warenausfuhr, die im Dezember gegenüber dem Vorjahr saisonbereinigt noch um 12,4 Prozent zunahm, demnächst abschwächen wird.
Inflation Trotz der Anhebung der Mehrwert- und Versicherungsteuer von 16 auf 19 Prozent zu Beginn dieses Jahres sind die Verbraucherpreise von Dezember auf Januar nach Angaben des Statistischen Bundesamtes um 0,2 Prozent gesunken. Im Vergleich zum Vorjahr errechnet sich dadurch eine Teuerungsrate von 1,6 Prozent nach 1,4 Prozent im Dezember. Die Auswirkungen der Steuererhöhungen auf die Verbraucherpreise seien im Januar 2007 „kaum erkennbar", schreiben die Statistiker. Sie begründen dies damit, dass die Steuererhöhungen durch inflationsdämpfende Effekte überlagert wurden. So gingen die Preise für Mineralölprodukte, Pauschalreisen sowie für Bekleidung und Schuhe vor dem Wechsel von der Winter- auf die Sommerkollektion deutlich zurück. Pauschalreisen verbilligten sich von Dezember auf Januar um 23 Prozent, für Bekleidung und Schuhe mussten die Bürger im Schnitt 1,8 Prozent weniger aufwenden.
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