Wirtschaftswoche, 26.01.2009, Nr. 5, S. 33
Wachstumsmotor Export? Das war einmal. Die Perspektiven für die deutsche Ausfuhrwirtschaft haben sich im Dezember spürbar eingetrübt - nachdem es in den vier Vormonaten eine leichte Erholung gegeben hatte. Der Exportklima-Indikator, den das Münchner ifo Institut exklusiv für die WirtschaftsWoche ermittelt, schrumpfte um 0,14 auf minus 0,77 Zähler (siehe Grafik). Verantwortlich dafür ist vor allem das düstere Konsumklima in der Euro-Zone, in Japan und den USA. Speziell die Nachfrage aus den USA droht auszutrocknen - dass die US-Verbraucher in den kommenden Monaten wieder mehr deutsche Produkte kaufen, ist angesichts der desolaten Arbeitsmarktsituation wenig wahrscheinlich. Die US-Arbeitslosenquote könnte in diesem Jahr von 7,2 auf bis zu 10 Prozent steigen, warnen Analysten. 2008 sind jenseits des Atlantiks bereits 2,6 Millionen Jobs verschwunden.
Auch die Nachfrage nach Investitionsgütern "made in Germany" dürfte weiter erlahmen - die Geschäftsaussichten der Unternehmen in der Euro-Zone, Japan und den USA werden deutlich schlechter beurteilt als noch vor einem Monat. Hinzu komme "ein spürbarer Aufwertungsdruck auf den Euro", warnen die ifo-Ökonomen. "Die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen hat sich im Dezember gegenüber dem Vormonat merklich verschlechtert." Im November nahm die reale Ausfuhr nach neuesten Schätzungen bereits um saisonbereinigt 3,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr ab. Die Auftragseingänge aus dem Ausland lagen zuletzt rund 30 Prozent unter dem Vorjahreswert.
Und eine Wende ist vorerst nicht in Sicht: Wegen seiner Exportabhängigkeit trifft die globale Krise Deutschland härter als andere Staaten. Die EU-Kommission sagt in einer neuen Prognose einen Wachstumsrückgang von 2,3 Prozent voraus - innerhalb der Euro-Zone schrumpft nur Irland noch stärker. Für die gesamte EU rechnet Brüssel mit einem Minus von 1,8 Prozent. Kein Wunder, dass die deutschen Exporteure freudlos in die Zukunft blicken: Die Exporterwartungen brachen im Dezember um 9,5 auf minus 29,8 Saldenpunkte ein.
Losse, Bert
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