Wirtschaftswoche, 23.03.2009, Nr. 13, S. 39
Die Zeiten immer neuer Rekorde im Außenhandel sind vorbei. Im vergangenen Jahr erwirtschafteten die deutschen Unternehmen nur noch einen Exportüberschuss von 176,2 Milliarden Euro, das sind rund 19 Milliarden Euro weniger als 2007. Während die Ausfuhren um 3,1 Prozent stiegen, legten die Importe mit einem Plus von 6,3 Prozent mehr als doppelt so stark zu. Dazu hat auch der Höhenflug der Rohstoffpreise beigetragen, der die Einfuhren verteuerte. Mit dem Rückgang des Exportüberschusses endete ein siebenjähriger kontinuierlicher Aufwärtstrend.
In diesem Jahr entwickelt sich der Außenhandel, der die deutsche Konjunktur jahrelang beflügelte, sogar zu einem regelrechten Bremsklotz. Das zeigt auch der Exportklimaindikator, den das Münchner ifo Institut monatlich exklusiv für die WirtschaftsWoche ermittelt. Im Februar verharrte der Index auf dem sehr niedrigen Niveau des Vormonats von minus 1,03 Punkten. Ausschlaggebend dafür war, dass sich das Konsum- und Geschäftsklima bei den europäischen Handelspartnerländern und in Japan weiter eintrübte. Dagegen haben sich die Geschäftsaussichten in den USA auf niedrigem Niveau stabilisiert. Die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen hat sich zudem vor dem Hintergrund des schwächeren Euro im Februar etwas verbessert. Diese Faktoren haben einen weiteren Einbruch des Exportklimas verhindert.
Die Auftragseingänge aus dem Ausland bei Industrieunternehmen sanken im Februar um 11,4 Prozent gegenüber dem Vormonat. Die Exporterwartungen der Betriebe trübten sich daher erneut ein. Das Institut für Wirtschaftsforschung Halle erwartet vor diesem Hintergrund für 2009 einen dramatischen Einbruch der Exporte um real 18 Prozent gegenüber 2008. Das reale Bruttoinlandsprodukt wird ihren Berechnungen zufolge um knapp fünf Prozent schrumpfen. Vor allem die ersten beiden Quartale dürften verheerend ausfallen. Danach erwartet der Chef des Sachverständigenrats, Wolfgang Franz, "dass die Abwärtsbewegung der Konjunktur zum Stillstand kommt".
Fischer, Malte
Please send your comments or questions on specific articles to: presse@ifo.de. Please mention in your e-mail the article you are concerned with.
Phone: +49(0)89/9224-1604 Fax: +49(0)89/9224-1267
2012 2011 | 2010 | 2009 2008 | 2007 | 2006 2005 | 2004 | 2003 2002 | 2001 | 2000
Press Echo
Comments on current economic policy issues in Policy Debate: