Wirtschaftswoche, 21.02.2009, Nr. 9, S. 33
Jahrelang kannten die deutschen Ausfuhren nur eine Richtung: nach oben. Im vergangenen Jahr holten sich die deutschen Unternehmen zum sechsten Mal in Folge den Titel des Exportweltmeisters. Doch damit ist es nun vorbei. Seit Herbst vergangenen Jahres gehen die Ausfuhren zurück, im Dezember lagen sie um acht Prozent niedriger als im Vorjahr. Einen stärkeren Rückgang hatte es zuletzt im März 1993 gegeben. Die schwachen Exporte haben so maßgeblich zum Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Aktivität im vierten Quartal beigetragen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes schrumpfte das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 2,1 Prozent gegenüber dem dritten Quartal 2008. Die wegbrechenden Auslandsumsätze verringerten die Kapazitätsauslastung der Unternehmen und haben ihre Investitionsneigung gebremst. Daher sind die Ausgaben der Betriebe für Maschinen und Anlagen im Jahresschlussquartal spürbar gesunken. Genaue Zahlen legt das Statistische Bundesamt Mitte dieser Woche vor.
In den nächsten Monaten dürfte sich die Talfahrt bei den Ausfuhren beschleunigen. Das vom Münchner ifo Institut exklusiv für die WirtschaftsWoche ermittelte Exportklima hat sich im Januar stark abgekühlt. Der Index sank um 0,17 auf minus 1,06 Punkte, den niedrigsten Stand seit Juni 1993. Hauptgrund ist die starke Eintrübung des Konsum- und Geschäftsklimas in Europa, den USA und Japan. Die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Exporteure, gemessen am realen Außenwert des Euro, blieb nahezu unverändert und konnte die verschlechterte Stimmung in den Abnehmerländern nicht ausgleichen.
Auch der Bestelleingang spricht für eine Fortdauer der Exportmalaise. Von Dezember auf Januar sanken die Auftragseingänge real um 9,4 Prozent, im Vergleich zum Vorjahr gab es ein Minus von knapp 30 Prozent. Die Exporterwartungen der Unternehmen liegen denn auch mit minus 29,0 Punkten nach wie vor auf sehr niedrigem Niveau. Experten rechnen für 2009 mit einem Rückgang der Ausfuhren um mehr als zehn Prozent.
Fischer, Malte
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