Wirtschaftswoche, 04.12.2006, Nr. 49, S. 55
Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im November überraschend verbessert. Der vom Münchner Ho-Institut ermittelte Geschäftsklimaindex, einer der wichtigsten deutschen Konjunkturindikatoren, stieg von 105,3 auf 106,8 Punkte. Die rund 7000 befragten Unternehmen bewerteten nicht nur ihre aktuelle Lage positiver als im Vormonat (plus 2,0 auf 113,9 Punkte). Auch der Erwartungsindex für die kommenden sechs Monate stieg von 99,2 auf 100,1 Punkte. Analysten hatten für November mit einer Stagnation oder sogar einem leichten Rückgang gerechnet Selbst die anstehende Mehrwertsteuererhöhung werde die positive Entwicklung „nicht abwürgen, sondern nur zu einer Delle rühren", glaubt Ifo- Ökonom Klaus Abberger. Zwar belaste die Steuererhöhung 2007 den Einzelhandel, andere Branchen wie etwa die Hersteller von Investitionsgütern seien aber von der Erhöhung kaum betroffen. Eine Ursache für die gute Stimmung dürften nach Ifo-Einschätzung die zuletzt stabilen Ölpreise sein. Hauptrisiko für den Aufschwung sei die drohende Konjunkturabkühlung in den USA.
Wachstum Ein robuster Privatkonsum und eine dynamische Exportentwicklung haben die Wirtschaft im dritten Quartal angekurbelt. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 0,6 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Für das Gesamtjahr rechnen Ökonomen nun mit einem Wachstum von etwa 2,5 Prozent, die OECD prognostiziert in ihrem neuen Konjunkturbericht sogar 2,6 Prozent. Im Vergleich zu den ersten beiden Quartalen schwächte sich das Wachstum zwischen Juli und September allerdings etwas ab. Zuvor war das BIP mit 0,8 beziehungsweise 1,1 Prozent so stark gestiegen wie seit 2000 nicht mehr. Die Exporte kletterten im dritten Quartal um 4,2 Prozent. Die Unternehmen investierten 0,8 Prozent mehr in Bauten und 0,7 Prozent mehr in Ausrüstungen. Selbst im krisengeschüttelten Baugewerbe geht es aufwärts: Die Bruttowertschöpfung stieg um 4,2 Prozent; lediglich die Industrie (plus 4,9 Prozent) schaffte noch mehr. Handel, Gastgewerbe und Verkehr legten um 3,2 Prozent zu. Im Bereich Finanzierung und Vermietung lag das Plus bei 2,0 Prozent, bei den Dienstleistern bei 0,2 Prozent Auch die Verbraucher zeigten sich kauflustig und gaben 0,7 Prozent mehr aus als im zweiten Quartal - was allerdings durch Vorzieheffekte der Mehrwertsteuererhöhung überzeichnet ist. Im vierten Quartal dürfte der positive Trend anhalten und dem Handel ein gutes Weihnachtsgeschäft bescheren. Der von der Gesellschaft für Konsumforschung ermittelte Konsumklimaindikator stieg im Dezember um 0,1 auf 9,4 Punkte - der höchste Wert seit fünf Jahren.
Export Die Ausführen dürften auch in den kommenden Monaten ein Wachstumsmotor bleiben. Der Exportklimaindikator, den das Ifo-Institut monatlich exklusiv für die WirtschaftsWoche berechnet, stieg im Oktober um 0,06 auf 0,27 Punkte. Dies ist der dritte Anstieg in Folge - und der höchste Wert seit September 2004. Die Exporterwartungen der Unternehmen legten um 2,0 auf 21,4 Punkte zu. Maßgeblich für die gute Stimmung der Exporteure war vor allem das verbesserte Wirtschaftsklima in Europa. Ein Risikofaktor ist allerdings der zuletzt stark gestiegene Euro- Kurs, der deutsche Produkte außerhalb der EU auf dem Weltmarkt verteuert.
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