Wirtschaftswoche, 29.04.2006, Nr. 18, S. 78
Die Exportaussichten für die deutsche Wirtschaft hellen sich weiter auf. Der vom Münchner Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung exklusiv für die Wirtschaftswoche ermittelte Exportklimaindikator hat sich im März zum zehnten Mal in Folge verbessert und erreichte mit 0,158 Punkten den höchsten Stand seit Oktober 2004. Treibende Kraft waren die weiterhin positiven Geschäftsaussichten bei den europäischen Handelspartnern, dem wichtigsten Absatzmarkt für die deutschen Exporteure. Dagegen blieben die wirtschaftlichen Einschätzungen der Konsumenten auf dem alten Kontinent im Vergleich zum Februar unverändert. In den USA und Japan blieben sowohl das Geschäfts- als auch das Konsumklima stabil. Die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Exporteure hat sich hingegen im März infolge der festeren Notierung des Euro etwas verschlechtert. Die Wachstumsrate der realen Exporte erreichte im Februar mit 10,7 Prozent gegenüber Vorjahr den höchsten Wert seit Juni 2004. Angesichts des anhaltenden Booms der Weltwirtschaft blicken die Exporteure optimistisch in die Zukunft, die Exporterwartungen blieben auf hohem Niveau. Die Ökonomen der Allianz Group rechnen für 2006 mit einer Beschleunigung des Exportwachstums auf 7,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr nach 6,3 Prozent im vergangenen Jahr.
Die Stimmung der Wirtschaft hat sich ebenfalls weiter verbessert. Der vom Ifo-Institut ermittelte Index für das Geschäftsklima in der gewerblichen Wirtschaft kletterte im April um 0,5 auf 105,9 Punkte. Das war der fünfte Anstieg in Folge. Analysten hatten mehrheitlich mit einen Rückgang auf 104,8 Punkte gerechnet. Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft ist damit so gut wie zuletzt während des Wiedervereinigungsbooms Anfang der Neunzigerjahre. Ausschlaggebend für den Anstieg des Ifo-Index war die bessere Beurteilung der aktuellen Geschäftslage durch die befragten Unternehmen. Der entsprechende Teilindex sprang von 105,1 auf 106,4 Zähler. Dagegen trübten sich die Geschäftserwartungen für die nächsten sechs Monate leicht ein, der entsprechende Teilindex ging von 105,7 auf 105,5 Punkte zurück. Ökonomen gehen davon aus, dass sich in den nächsten Monaten auch der Lageindex etwas zurückbilden wird. Daher könnte der April-Wert des Ifo-Index den Höhepunkt im aktuellen Zyklus markieren.
Auch die Produktionsdaten belegen, dass sich Deutschland im Aufschwung befindet. Die Erzeugung im produzierenden Gewerbe nahm im Februar unerwartet kräftig um 1,0 Prozent gegenüber dem Vormonat zu. Zugleich revidierten die Statistiker die Veränderungsrate für den Januar von minus 0,1 auf plus 0,4 Prozent nach oben. Besonders kräftig legte im Februar der Output im Energiesektor (plus 3,7 Prozent) und der Bauwirtschaft (plus 2,0 Prozent) zu. Das verarbeitende Gewerbe steigerte seine Produktion um 0,6 Prozent. In den nächsten Monaten könnte vor allem das Baugewerbe für positive Überraschungen sorgen. Im Februar verzeichnete die Branche ein reales Auftragsplus von 12,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für den Zweimonatszeitraum Januar und Februar ergibt sich ein Plus von real 10,7 Prozent.
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