VDI nachrichten, 22.09.2006, Nr. 38, S. 31
Die deutschen Geldhäuser sind wieder deutlich großzügiger bei der Vergabe von Krediten. Zu diesem Ergebnis kommen zwei aktuelle Studien des Ifo-lnstituts und der KfW.
Das vom Ifo-Institut aus seiner Konjunkturumfrage berechnete Kreditklima hat sich deutlich gebessert. Es stieg von -15,9 im März 2006 auf-10,1 im August 2006.
Dabei vollzog sich die Besserung auf dem Kreditmarkt in Ost- und in Westdeutschland gleichermaßen. Dennoch stellen die ostdeutschen Betriebe des verarbeitenden Gewerbes seit August 2003 ihren Kreditinstituten tendenziell schlechtere Zeugnisse aus als westdeutsche Firmen.
Nachdem die Kreditnachfrage in den letzten Jahren eher verhalten war und der Bestand an Krediten im verarbeitenden Gewerbe stetig sank, kann nach Angaben der Deutschen Bundesbank im Laufe des zweiten Vierteljahres 2006 erstmals wieder eine leichte Steigerung des Kreditbestandes der Banken auf 134 Mrd. € (Stand April 2006) verzeichnet werden.
Zwar sind dies 1,5 Mrd. € oder 1,1 weniger als im Jahr 2005, aber im Vergleich der letzten beiden erfassten Quartale bedeutet es einen Anstieg um 3 . Er resultiert aus dem erhöhten Finanzbedarf der Unternehmen, um die Investitionen in neue Ausrüstungen und Bauten, wie geplant, ausweiten zu können.
Aber auch die Angebotsseite, also die Kreditinstitute, haben günstigere Bedingungen geschaffen, um den Markt wieder zu beleben. Sie lockerten ihre Kreditrichtlinien in den letzten Monaten für die Unternehmen, auch unabhängig von deren Größe. Der zunehmende Konkurrenzkampf unter den Banken sowie die allgemein gute Konjunktur lassen die Institute bereitwilliger - besser konditionierte - Kredite vergeben, auch wenn ihre Margen darunter leiden. Dabei hat sich vor allem die Nachfrage nach langfristigen Krediten gut entwickelt.
Auch die KfW Bankengruppe kommt in einer aktuellen Untersuchung zu dem Ergebnis, dass sich die Banken wieder verstärkt dem Geschäft mit Unternehmenskunden zuwenden. An der Befragung, die Ende März 2006 abgeschlossen wurde, haben sich rund 6000 Unternehmen aller Branchen, Größenklassen und Regionen beteiligt.
Für 12 der befragten Unternehmen haben sich danach die Finanzierungsbedingungen deutlich verbessert. Das ist der höchste Wert seit der ersten Studie im Jahr 2001.
Auch insgesamt ist die Entwicklung positiv: Nur noch 33 der Unternehmen klagen über mehr Probleme beim Kreditzugang. Dieser Wert liegt fast 10 Prozentpunkte unter dem Vorjahreswert. Die Ablehnungsquote für Investitionskredite ist von knapp 25 auf unter 20 gesunken. Hauptgründe für eine Ablehnung bleiben unzureichende Sicherheiten und zu niedrige Eigenkapitalquoten.
„Nicht nur für den einzelnen Unternehmer, sondern auch gesamtwirtschaftlich ist die insgesamt wieder bessere Kreditversorgung überaus erfreulich. Denn wer kein Geld von der Bank bekommt, der investiert weniger oder gar nicht, schafft weniger Wachstum und Arbeitsplätze", erläutert Ingrid Matthäus-Maier, Mitglied des Vorstands der KfW Bankengruppe.
Viele Unternehmen haben auf die Entwicklung der Finanzmärkte reagiert. So konnten knapp 40 der Unternehmen ihr Rating im letzten Jahr verbessern. Nur bei 8 hat es sich verschlechtert. Über 40 der Unternehmen haben zudem ihre Eigenkapitalquote erhöhen können, während nur 17 eine gesunkene Quote melden.
Je kleiner ein Unternehmen ist, desto schwieriger sind allerdings die Finanzierungsbedingungen: 46 der Unternehmen mit bis zu l Mio. € Umsatz klagen über schlechtere Finanzierungsbedingungen, aber nur 12 % der Unternehmen mit mehr als 50 Mio. € Umsatz.
In allen Unternehmen spielen die klassischen Finanzierungsinstrumente (Bankkredit und Innenfinanzierung) weiterhin die Hauptrolle. Je größer ein Unternehmen ist, desto wichtiger werden alternative Finanzierungsformen, wie mezzanines Kapital oder Beteiligungskapital. Immerhin rund 9 der Unternehmen wollen ihre Finanzierungsstruktur durch die Aufnahme von Mezzanine-Kapital verbessern.
ps
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