VDI Nachrichten, 04.08.2006, Nr. 31, S. 5
Die Stimmung der deutschen Wirtschaft hat sich im Juli stärker als erwartet eingetrübt. Der ifo-Geschäftsklimaindex ist auf 105,6 von 106,8 Punkten gesunken, wie das Münchner Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) mitteilte. Sowohl ihre gegenwärtigen als auch ihre Aussichten bewerten die rund 7000 befragten Unternehmen skeptischer.
“Die konjunkturelle Entwicklung bleibt weiterhin aufwärts gerichtet“, erklärte Ifo-Ökonom Gebhard Flaig aber. Insgesamt habe sich die Stimmung in der Industrie und Einzelhandel verschlechtert, im Großhandel habe sich das Geschäftsklima dagegen aufgehellt. „Die Chancen im Exportgeschäft sahen die Industrieunternehmen immer noch sehr positiv, wenn auch in etwas geringerem Maße als in den Vormonaten“, erklärte das Ifo-Institut. Auch die Stimmung unter den deutschen Dienstleistern verschlechterten sich der Umfrage zufolge: Der Ifo-Index für die Service-Branche sank um 2,6 auf 18,4 Punkte. Das Ifo-Institut sieht derzeit aber keinen Grund, seine Prognose eines Wirtschaftswachstums von 1,8 % für Deutschland in diesem Jahr zu ändern.
rdr
Automobil:Das Geschäftsklima tendierte im Juli deutlich nach unten. Bei Personenkraftwagen hat sich an der günstigen Geschäftslage nichts Wesentliches verändert. In Anbetracht des hohen Ölpreises und der bevorstehenden Mehrwertsteuererhöhung sind die Unternehmen allerdings weiter skeptisch in Bezug auf die künftige Entwicklung.
Bei Nutzfahrzeugen gilt die derzeitige Situation nur noch als knapp befriedigend, in den Erwartungen ist der Optimismus nun sogar von Pessimismus abgelöst worden. Im Branchendurchschnitt hat im Lauf des zweiten Vierteljahres die Kapazitätsauslastung (91,5 %) etwas zugenommen.
H.-G. RUSS
Elektrotechnik: Das Geschäftsklima der Branche hat sich wieder etwas abgekühlt. Zwar bewerten die befragten Testfirmen ihre gegenwärtige Lage unverändert positiv, der Optimismus in den Geschäftserwartungen – auch in Bezug auf das Auslandsgeschäft – hat jedoch etwas nachgelassen. Die Auftragspolstern übertreffen zunehmend das Normalmaß.
Zu Lieferschwierigkeiten kam es nur noch vereinzelt. Die Produktion soll in den nächsten Monaten hochgefahren werden. Die Maschinen waren mit 86,0 % am Ende des zweiten Vierteljahres um gut 5 Prozentpunkte stärker ausgelastet als vor einem Jahr.
Chemie: Die Unternehmen beurteilten ihre Geschäftslage ebenso günstig wie im Vormonat. Die Auftragsbücher sind gut gefüllt, verschiedentlich treten sogar Lieferengpässe auf. Mit erhöhtem Optimismus werden die Perspektiven für das kommende halbe Jahr eingeschätzt, wobei sich offenbar auch die Chancen auf den ausländischen Märkten auch verbessern.
Die Produktionspläne werden nach oben revidiert. Nach Angaben der Firmen ist in den nächsten Monaten mit einem spürbaren Anstieg der Verkaufspreise zu rechnen (Ölpreis!). Der Auslastungsgrad der Gerätekapazitäten liegt weiterhin bei 84,4 %.
H. –G. RUSS
Maschinenbau: Das Geschäftsklima hat sich erstmals seit zehn Monaten nicht mehr weiter verbessert. Zwar beurteilten die Firmen ihre ohnehin sehr günstige Geschäftslage sogar noch etwas positiver, schätzten aber die Aussichten zurückhaltender ein. Gegenwärtig verfügen sie über ansehnliche Auftragspolster.
Gute Chancen rechnet man sich nach wie vor im Exportgeschäft aus. Da zudem der Bestand an fertigen Erzeugnissen eher als zu gering gilt, kündigen die Pläne einen erhöhten Produktionsausstoß an. Die Geräteauslastung (91,2 %) legte zu, sie war auch deutlich höher als zur gleichen Zeit des Vorjahres.
H. –G. Russ ist wissenschaftlicher Mitarbeiter beim ifo-Institut, München
Das ifo-Institut für Wirtschaftsforschung fragt monatlich bei rund 7000 Unternehmen in Deutschland wichtige Daten ab. So ermitteln die Münchner Wissenschaftler nach Branchen gesplittet Geschäftslage und Erwartungen in den Unternehmen. Die Geschäftslage spiegelt die aktuelle Lage der Unternehmen wider. Die Geschäftserwartung zeigt dagegen die voraussichtliche Entwicklung der Geschäftslage in den nächsten sechs Monaten – so wie die Unternehmer sie einschätzen. Beide, also Lage und Erwartung, werden einzeln als Saldo in den Charts gezeigt. Beispiel für Geschäftslage: Wenn 40 % der Befragten ihre derzeitige wirtschaftliche Lage positiv beurteilen, 60 % dagegen negativ, ergibt das per Saldo eine Geschäftslage von minus 20 %.
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