Tageszeitung, 23.10.2008, Nr. 247/43, S. 31
Nach der Finanzkrise trüben weitere Wolken den Himmel: Die boomende Wirtschaft muss sich auf magere Zeiten einstellen. „Die Konjunktur ist im Keller. Seit sechs Monaten fällt der Konjunkturindex jeden Monat. Wir laufen auf eine Rezession zu", klagte gestern Prof. Dr. Hans Werner Sinn, Präsident des Münchner ifo-Instituts.
Die gute Nachricht dabei: Für den Wirtschaftsexperten ist die Finanzkrise überwunden. Sinn: „Die Regierungen der Welt haben Rettungspakete für über 2400 Milliarden Euro geschnürt. Wenn das umgesetzt wird, dürfte es kaum weitere Bankenzusammenbrüche geben." Sinn: „ Das Schlimmste ist vermieden worden, die Kernschmelze des Kapitalmarktes. Die Revolution, der Untergang des Kapitalismus war ursprünglich zu befürchten". Jetzt freilich droht die Konjunktur zu lahmen. Peter Driessen, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für München und Oberbayern: „Die Erwartungen der Unternehmen haben sich dramatisch verschlechtert. Noch sind die Auftragsbücher zwar gut gefüllt. Aber für die Zukunft fehlen die Aufträge. Das Nachordergeschäft ist komplett weggebrochen."
Driessen und Sinn fürchten, dass dadurch Arbeitsplätze im Freistaat in Gefahr sind. Besonders betroffen sind, so Wirtschaftsforscher Sinn, dabei die Automobilindustrie, der Maschinen- und Anlagenbau sowie die Investitionsgüterbranche.
Forderungen nach Konjunktur-Förderprogrammen lehnt Wirtschaftswissenschaftler Sinn dagegen vorerst ab: „Dazu ist es noch zu früh, dazu ist die Auslastung der Produktion noch zu gut." Dabei kritisiert Sinn die Politik: „Politiker machen gerne Schulden, um Geschenke zu machen. Die Empfänger sind an der nächsten Wahl beteiligt, die die sie bezahlen müssen, sind noch nicht an den Wahlurnen."
Der Ifo-Chef verweist darauf, dass allerdings auch vier phantastische Wachstumsjahre mit jeweils über fünf Prozent Wachstum der Industrie ein ordentliches Plus verschafft haben. Nun ist es aber vor allem die weltweite Krise, die die Investitionsneigung sinken lässt und das Exportland Deutschland besonders schlimm trifft. Sinn räumt ein: „Vielleicht haben wir in Deutschland den Binnensektor in den vergangenen Jahren vernachlässigt."
Im Zusammenhang mit der Bayerischen Landesbank kritisierte Sinn, dass die Landesbanken nach dem Wegfall der staatlichen Garantie für die sie billiges Geld erhalten haben, ihre ursprüngliche Aufgabe verloren haben und aufgelöst werden sollten. Auch der Zusammenschluss einzelner Landesbanken mache keinen Sinn. Der Wirtschaftsforscher hält allerdings einen Zusammenschluss von Landesbanken und Sparkassen für möglich, da sich beide ergänzen könnten. KARL-HEINZ Dix
Please send your comments or questions on specific articles to: presse@ifo.de. Please mention in your e-mail the article you are concerned with.
Phone: +49(0)89/9224-1604 Fax: +49(0)89/9224-1267
2012 2011 | 2010 | 2009 2008 | 2007 | 2006 2005 | 2004 | 2003 2002 | 2001 | 2000
Press Echo
Comments on current economic policy issues in Policy Debate: