Sächsiche Zeitung, 18.12.2007: Mehr Jobs trotz gebremster Konjunktur
Dresden. Die Wirtschaft in Sachsen wächst weiterhin stärker als in anderen Bundesländern. Mit einem Plus von 3,3 Prozent beim Bruttoinlandsprodukt hängt der Freistaat in diesem Jahr die ostdeutschen Länder insgesamt ab. Die erleben, wie ganz Deutschland, einen Zuwachs von 2,5 Prozent. Das ist das Ergebnis der gestern vorgestellten Konjunkturprognose des Ifo-Institutes für Wirtschaftsforschung, Niederlassung Dresden (Ifo Dresden). Das Bruttoinlandsprodukt (Bip) beschreibt den Wert aller binnen eines Jahres produzierten Waren und Dienstleistungen in einem Land.
"Die ostdeutschen Flächenländer weisen eine vergleichsweise starke Entwicklung auf", sagte der stellvertretende Geschäftsführer von Ifo Dresden, Joachim Ragnitz. Berlin mit einem Plus von nur einem Prozent drückt den ostdeutschen Schnitt. Wachstumssieger mit vier Prozent Plus beim Bip ist im ersten Halbjahr 2007 Mecklenburg-Vorpommern. Dort meldeten Bau- und Gaststättengewerbe im Zuge des G-8-Gipfels deutlich positive Effekte. Zehntausende Teilnehmer des Treffens der Regierungschefs der sieben größten Industrieländer der Welt und Russland im Juni in Heiligendamm hatten in den Hotels im Umkreis genächtigt.
Prognose nicht ganz getroffen
Noch im Sommer hatte das Institut allerdings für Sachsen 3,9statt der jetzt 3,3 Prozent Zuwachs beim Bip erwartet. Für 2008 lag die Vorhersage vom Juli mit 3,4 Prozent sogar fast einen Prozentpunkt über der aktuellen Prognose. Als Grund für die Korrekturen nach unten nannte Ragnitz der SZ die starke Aufwertung des Euro, die "so nicht vorhersehbar gewesen sei". Die Finanzkrise in den USA wirke indirekt, denn die Unsicherheit in den US-Firmen und die schwächere Konjunktur drückten deutsche Exporte.
In Sachsen entwickelten sich 2007 einige Teilbereiche dennoch besonders günstig, sagte der stellvertretende Ifo-Geschäftsführer. Den Hauptgrund für das sächsische Wachstum in diesem Jahr bildet die gute Entwicklung im verarbeitenden Gewerbe. Dort wird die Bruttowertschöpfung voraussichtlich um 13,2 Prozent zulegen, in Ostdeutschland sind es 10,2 Prozent. Die Ausrichtung ostdeutscher Unternehmen auf wachsende osteuropäische Märkte macht sich Ragnitz zufolge positiv bemerkbar. Das sächsische Baugewerbe schwächelt dagegen. Die Bruttowertschöpfung der Branche wird rund 1,5 Prozent unter Vorjahresniveau liegen, während sie in ganz Ostdeutschland um 1,3 Prozent wächst.
Wirtschaftsminister Thomas Jurk (SPD) zeigt sich trotz der Korrektur nach unten zufrieden. Die Prognosen bedeuteten "gute Aussichten für den sächsischen Arbeitsmarkt", teilte er mit. Tatsächlich dürfte nach einem Zuwachs von 0,9 Prozent 2006 die Zahl der Erwerbstätigen in Sachsen dieses Jahr um rund 1,9 Prozent und kommendes Jahr um 1,3 Prozent zunehmen.
Für 2008 rechnet das Ifo Dresden mit einer schwächeren Konjunktur. Für Ostdeutschland sind 1,8 Prozent veranschlagt. "Der Trend in Sachsen hängt stark an der gesamtdeutschen Entwicklung", sagte Wirtschaftsforscher Ragnitz. Das bestätigt der aktuelle Monatsbericht der Deutschen Bundesbank. Dort wurde gestern als gesamtdeutsche Prognose für 2008 und 2009 ein Anstieg des Bip von je 1,9 Prozent veröffentlicht.
Privater Konsum legt zu
Die Turbulenzen um die Landesbank Sachsen bremsen den Aufschwung zumindest kurzfristig nicht, hieß es. Mit massiven Nachfrageausfällen ist Ragnitz zufolge auch dann nicht zu rechnen, wenn die Bürgschaft bezahlt werden muss. Auf mittlere oder langfristige Sicht könnten sich aber negative Effekte zeigen - wenn Sachsen gezwungen sei, Kredite aufzunehmen und dafür Zinsen zu zahlen.
Der private Konsum gewinnt im kommenden Jahr als Motor des Wirtschaftswachstums an Fahrt, meint der Dresdner Ökonom. Ein Plus von mehr als einem Prozent hält er für realistisch. Auch der Wirtschaftsweise Peter Bofinger rechnet mit 1,7 Prozent mehr privatem Verbrauch. Selbst bei erwarteten Steigerungen der Reallöhne um 0,7 Prozent sei mehr Konsum möglich, meint Bofinger. Das Potenzial dafür sei da. (mit dpa)
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