Sächsische Zeitung, 03.07.2007, S. 24
Dresden. Die sächsische Wirtschaft ist im vergangenen Jahr mit einer Wachstumsrate von vier Prozent regelrecht explodiert. Dieser kräftige Aufschwung wird nach Prognosen der Dresdner Niederlassung des Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo Dresden) anhalten und auch den ostdeutschen Durchschnitt überflügeln.
Für dieses Jahr erwarten die Wirtschaftsforscher einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts - des Werts aller hergestellten Güter und Dienstleistungen - im Freistaat von 3,9 Prozent. Im kommenden Jahr legen die sächsischen Unternehmen nach der gestern vorgestellten Konjunkturprognose noch einmal um 3,4 Prozent zu. Die ostdeutsche Wirtschaft wird 2007 voraussichtlich um 2,6 Prozent und 2008 um 2,3 Prozent wachsen.
Diese gute Entwicklung sorgt für mehr Beschäftigung. Die Zahl der Erwerbstätigen dürfte im kommenden Jahr in Sachsen um 1,6 Prozent und 2008 um 1,3 Prozent zunehmen. Bislang vertrauten die Firmen nicht so recht darauf, dass der Aufschwung anhält und stellten vor allem zusätzlich Zeitarbeiter ein. „Aber jetzt werden Dauerarbeitsplätze geschaffen", sagte Joachim Ragnitz, der neue Geschäftsführer des Ifo Dresden. Ein Indiz dafür seien die hohen Investitionen in neue Maschinen, die bedient werden müssen. So wurde im vergangenen Jahr in Ostdeutschland 20 Prozent mehr investiert als im Jahr zuvor.
Nicht nur da, auch im Ausland wächst die Nachfrage nach Fabrikausrüstungen. Davon profitieren sächsische Maschinen- und Anlagenbauer und Unternehmen in der Elektroindustrie. Insgesamt wird für die sächsische Industrie eine Zunahme der Bruttowertschöpfung, also des Produktionswertes abzüglich der Kosten für Vorprodukte und Rohstoffe, von 14,9 Prozent in diesem Jahr und elf Prozent im kommenden Jahr erwartet. Der Grund für das langsamere Wachstum 2008 sei, dass die Investitionstätigkeit nicht so intensiv wie bisher weitergehe, hieß es.
Dagegen wird der Handel in Sachsen erst im kommenden Jahr mit einem Wachstum von 3,7 Prozent stärker zulegen, nach 1,8 Prozent in diesem Jahr. Dieser Zuwachs wird durch den Großhandel getragen. Der Einzelhandel und der Kfz-Handel müssen derzeit Umsatzrückgänge verkraften. Das sind die Folgen vorgezogener Käufe durch die Mehrwertsteuererhöhung sowie steigender Zinsen, die Autokäufe verteuern. Doch im kommenden Jahr rechnen die Ifo-Forscher damit, dass sich steigendes Einkommen und wachsende Beschäftigung in mehr Konsum niederschlagen. Auch im Baugewerbe werden sich die anziehenden Zinsen 2008 negativ auswirken und mit zur Stagnation der Branche beitragen. Aber in diesem Jahr bescheren der milde Winter und die günstige Wirtschaftslage dem sächsischen Bau erst einmal einen Zuwachs von vier Prozent. Dennoch „wird die sehr günstige Konjunkturentwicklung anhalten", betonte Michael Berlemann, der bis Ende Juni die Geschäfte des Ifo Dresden leitete. Er präsentierte die Konjunkturprognose zum letzten Mal, bevor er endgültig als Professor für Volkswirtschaftslehre nach Hamburg geht.
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