Dresden. Sachsen ist auf seine Leuchttürme AMD, Infineon und Volkswagen Sachsen sehr stolz. Dass im Freistaat aber noch diverse kleine Leuchttürme stehen, die positive Signale für die sächsische Wirtschaftsentwicklung senden, ist dagegen weniger bekannt.
Heinz Schmalholz von der Dresdner Niederlassung des Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung hat einige von ihnen aufgesucht. Er ging vor allem der Frage nach, inwiefern sächsische Unternehmen es geschafft haben, in etablierte westdeutsche Lieferbeziehungen einzudringen und ob sie auf Exportmärkten inzwischen bessere Preise durchsetzen können. „Auch wenn ich keine Namen nennen kann, weil den Firmen Anonymität zugesichert wurde, kann ich sagen: Es gibt sie, die Mini-Leuchttürme in der sächsischen Industrie und das ist ein großer Erfolg“, sagt Heinz Schmalholz. Und sie befänden sich nicht nur in den Wachstumszentren, sondern auch in den Grenzregionen von der Oberlausitz bis ins Vogtland, verriet er immerhin.
Einer könnte in Großröhrsdorf stehen: Der Spezialfolienhersteller Southwall Europe GmbH hat 90 Beschäftigte, gibt 50 weiteren Menschen indirekt Lohn und Brot und hat bislang rund 25 Millionen Euro investiert. Geschäftsführer Wolfgang Heinze, der auch als Präsident der Vereinigung der Sächsischen Wirtschaft (VSW) vorsitzt, hat sein Unternehmen im SZ-Gespräch selbst „Mini-Leuchtturm“ genannt.
Vom VSW bekam auch Ifo-Experte Schmalholz im vergangenen Sommer seine 28 Gesprächspartner aus dem Maschinenbau und der Metall- und Elektrobranche vermittelt – 15 davon aus dem Regierungsbezirk Chemnitz, neun aus Dresden und vier aus Leipzig. 23 der 28 untersuchten Firmen fallen in die Größenklasse 50 bis 250 Beschäftigte. Zum Vergleich: Insgesamt hat Sachsen in diesen Branchen 1058 Betriebe. Gemessen an der Entwicklung von Umsatz und Beschäftigung sei das Gros der Befragten „erfolgreich“, so Schmalholz. Die durchschnittliche Unternehmensgröße habe im Jahr 2003 bei 142 Beschäftigten gelegen und der Umsatz zwischen 13 und 14 Millionen Euro betragen. Ein Viertel davon wurde im Ausland verdient. Fast die Hälfte der Unternehmen konnte Umsatz, Mitarbeiterzahl und Export steigern.
Dabei verlief die Unternehmensgeschichte von der Wende bis zum Sommer 2004 nicht ohne Brüche wie Insolvenzen, Eigentümerwechsel und Betriebsaufteilungen. Sie mündeten aber immer wieder in Neustarts. Das trifft zum Beispiel auf die traditionsreiche Chemnitzer Karl Mayer Malimo Textilmaschinen GmbH oder die Union Werkzeugmaschinenbau GmbH zu. Beide Firmen gingen aus der Zerschlagung von DDR-Kombinaten hervor, überlebten immensen Stellenabbau und mußten sich auf westlichen Märkten erst einmal einen Namen machen – mit Erfolg. Malimo hat sich auf den Maschinenbau für technische Textilien spezialisiert und erwirtschaftete damit 2003 etwa 25 Millionen Euro. Die Union Werkzeugmaschinenbau GmbH sorgte 1996 mit seiner Umwandlung zur Mitarbeitergesellschaft bundesweit für Schlagzeilen. Zwei Drittel der 180 Beschäftigten sind heute auch Gesellschafter.
Ein Erfolg der Mini-Leuchttürme ist laut Schmalholz, dass die Akzeptanzschwelle der ersten Wendejahre überwunden ist. Mitte der 90er Jahre lagen die Verkaufspreise sächsischer Maschinenbauer um zehn bis 20 Prozent niedriger als die ihrer westdeutschen Wettbewerber, obwohl die Produkte gleichwertig waren. Diese Preiszugeständnisse zur Markterschließung existieren heute nicht mehr. Von Unternehmen, die als „verlängerte Werkbänke“ tätig sind, würden westdeutsche Kunden allerdings weiterhin erwarten, dass günstigere Kosten wegen niedrigerer Löhne und Fördermaßnahmen als Preisvorteile an sie weitergegeben werden. In einer günstigen Situation befinden sich die Betriebe, die Marktnischen besetzen. Fünf der Befragten bezeichnen sich laut Schmalholz als Alleinanbieter. Zwei weitere strebten bei einigen Produkten an, Weltmarktführer zu werden. Sie nennen sich selbst Mini-Global-Player.
Kennzeichnend für Mini-Leuchttürme ist die Konzentration auf das Ausland. Ihre Exportquote lag 2003 bei rund 26 Prozent und damit etwa zehn Prozent über dem Durchschnitt der sächsischen Metall- und Elektroindustrie. Marktpotenzial sehen die Firmen künftig in Fernost.
Dort sitzen aber auch ihre Hauptkonkurrenten – genauer in China – und sie rücken immer näher. Dauerte früher eine Lieferung aus China vier bis fünf Wochen, sei sie heute in maximal einer Woche beim Kunden. Die größten Probleme sehen die Unternehmen jedoch in der Finanzierung von Unternehmenswachstum und Vorfinanzierung von Aufträgen. Viele hätten sich über eine zu starke Konzentration der staatlichen Förderung auf Gründer beklagt. Und so kommt das Ifo Dresden zum Fazit: Es sei zu überlegen, ob „nicht stärker als bisher der Ausbau der vorhandenen Unternehmenssubstanz Vorrang vor einer Fokussierung auf Neugründungen haben sollte.“ Damit die Mini-Leuchttürme künftig stärker strahlen.
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