Rhein-Neckar-Zeitung, 22.10.2008, Nr. 247, S. 21
Heidelberg. Dass es falsch ist, Bildung nur unter dem Aspekt der Wirtschaftlichkeit zu betrachten, zeigt dieser Tage wieder die Debatte um die abschreckende Wirkung von Studiengebühren. Selbst Bildungsökonomen wie Ludger Wößmann halten davon nichts. „Man kann mit viel Geld auch viel falsch machen“, ist der Professor an der LMU München sicher.
Doch genau deshalb ist es wichtig hinzusehen, wofür die Milliardenbeträge, die jährlich ins Bildungswesen fließen, ausgegeben werden. Nach Wößmanns Ansicht werde bislang zu viel Geld in höhere und vergleichsweise wenig in frühkindliche Bildung investiert. Hier sei nach Wößmanns Ansicht ein Strukturwechsel nötig. Denn auch pädagogische Studien zeigten: Je früher man Kinder fördert, umso größer sind die langfristigen Effekte.
Darum kann der Ökonom das Rechnen auch nicht lassen. Ohnehin notwendige Reformen, sagt er, die Deutschland Anschluss an die Pisa Spitzengruppe verschaffen, würden gleichzeitig das Wirtschaftswachstum um 0,5 bis 0,8 Prozent erhöhen. Zum Vergleich: In den vergangenen zehn Jahren wuchs die deutsche Wirtschaft um durchschnittlich 1,2 Prozent. „Wir können es schaffen, nur über den Bildungssektor das Wirtschaftswachstum um die Hälfte zu erhöhen.“
Dies sind aber keine Effekte, die sofort Wirkung zeigen. „Konsequenzen werden spürbar, wenn viele besser ausgebildete Kinder in den Arbeitsmarkt kommen, also in 20 bis 30 Jahren.“ Und darin liege die Chance. Dies löse einen Trend aus, der sehr lang anhalte. „Nach unseren Berechnungen wird das so erzielte Plus so hoch sein, dass sich das gesamte Bildungsbudget daraus finanzieren ließe. Die Dividende in Bildungsreformen ist langfristig sehr hoch.“
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