Reuters 08.03.2006
Berlin (Reuters) - Die Wirtschaftspolitik in der Euro-Zone steuert nach Ansicht mehrerer Experten auf ein ungünstiges Zusammenspiel von Geld- und Finanzpolitik zu.
"Die Europäische Zentralbank (EZB) wird wahrscheinlich eine eher restriktive Geldpolitik verfolgen, während die Finanzpolitik mehr oder weniger unverändert bleibt", erklärten acht in der European Economic Advisory Group (EEAG) zusammengeschlossene Volkswirte am Mittwoch. "Diese Konstellation hat negative Implikationen für das Wirtschaftswachstum." Die Haushaltsdefizite in der Euro-Zone müssten aus Gründen der Nachhaltigkeit abgebaut werden, hieß es. Dies würde dann auch eine weniger restriktive Geldpolitik der EZB ermöglichen, die seit Dezember ihren Leitzins zwei Mal um jeweils 25 Basispunkte auf inzwischen 2,50 Prozent erhöht hat.
Ausschlaggebend für einen besseren Policy-Mix seien neue Anreize zur Haushaltsdisziplin, die durch die Reform des Stabilitäts- und Währungspaktes 2005 verwässert worden seien. Dies könne dadurch erzielt werden, dass die EZB ihre geldpolitischen Rahmenbedingungen ändere und ihr Ziel der Preisstabilität nicht wie bisher bei knapp unter zwei Prozent erfüllt sehe, sondern auch bei einer höheren Inflation. Voraussetzung dafür sei, dass die finanzpolitischen Institutionen gestärkt würden. "Außerdem könnte eine kleine Gruppe finanzpolitisch verantwortungsbewusster Länder die Führung übernehmen, indem sie ihre Finanzpolitik stärker koordinieren", erklärten die Ökonomen aus sieben Ländern, zu denen auch der Chef des Ifo-lnstituts, Hans-Werner Sinn, gehört.
Für Europa rechnen die Forscher in diesem Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von 2,0 Prozent. Die Inflation in der Euro-Zone dürfte nach ihrer Einschätzung mit 1,9 Prozent der von der EZB veranschlagten Preisstabilität entsprechen. Die Lage am Arbeitsmarkt im Währungsgebiet werde sich nur leicht verbessern.
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