Die Folgen der hohen Abgabenlast in Deutschland verdeutlichte der als "Wirtschaftsweise" anerkannte Präsident des lfo-lnstituts, Hans Werner Sinn, jetzt mit einem Beispiel aus dem Maler-Lackiererhandwerk: Nirgendwo sonst hat der durchschnittliche Arbeitnehmer nach Auffassung von lfo-Präsident Hans-Werner Sinn eine so hohe Grenzabgabenlast zu tragen wie in Deutschland: Selbst Schweden und Dänemark kommen nicht an die 63,8 Prozent heran, die trotz der Steuerreform im nächsten Jahr anfallen werden.
Der lfo-Präsident dann weiter: ,,Ein Beispiel kann die Absurdität dieser Verhältnisse beleuchten: Ein durchschnittlich verdienender Malergeselle mit zwei Kindern, dessen Frau ein Drittel hinzuverdient, erklärt sich bereit, etwas länger zu arbeiten und ein zusätzliches Zimmer anzumalen. Der Chef stellt dem Kunden eine Rechnung, auf der neben Anfahrt, Farbe, Materialien usw. 1 000 Euro für die reinen Arbeitskosten inklusive Steuern ausgewiesen sind. Von diesen 1 000 Euro fließen nur 362 Euro an den Gesellen. Der Rest, 638 Euro, fließt als Mehrwertsteuer, Arbeitgeber- und Arbeitnehmersozialabgaben sowie persönliche Einkommensteuer an den Staat.
Man stelle sich einmal vor, ein Schlosser der in der gleichen Lebenssituation wie der Maler steht und das gleiche Einkommen verdient, möchte sich durch Mehrarbeit das Geld erarbeiten, das er braucht, um die Leistung des Malers zu kaufen. Seine eigene Leistung muß der Schlosser für 2762 Euro an andere verkaufen, damit er die 1 000 Euro für den Maler hat, die diesem ein Nettoeinkommen von 362 Euro bringen. Der Staat ist bei diesem Geschäft mit einer Einnahme von genau 2400 Euro oder 87 Prozent der Leistung des Schlossers beteiligt. Das ist absurd. Die Abgabenlast behindert die legale Tätigkeit in solch massivem Maße, daß es fast an ein Wunder grenzt, daß die Arbeitsteilung in Deutschland überhaupt noch funktioniert und nicht alles im Do-it-yourself Verfahren oder "schwarz" erledigt wird."
Den Feststellungen von Herrn Sinn ist nichts hinzuzufügen. Sie wurden so auch in der Wirtschafts- und Finanzdebatte im Deutschen Bundestag aufgegriffen. Der Tatsache zu begegnen hieße, das eigentliche Problem anzugehen. Hat die Politik ein Erkenntnisproblem oder fehlt es ihr an Mut, aus den Erkenntnissen Konsequenzen zu ziehen und Taten folgen zu lassen? Letzteres ist der Fall. Viele entsprechenden Reformen der letzten Jahre waren ein Flop oder gingen nicht weit genug. Gleichwohl wird Ihre Fachorganisation nicht müde werden, "ihre Finger in die vielen Wunden zu legen", denn "nur steter Tropfen höhlt den Stein".
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