Erich Gluch, Referent für Bau- und Immobilienwirtschaft im ifo Institut für Wirtschaftsforschung
immobilienbusiness 1/2002, S. 50
Der Wohnungsbau ist seit Jahren rückläufig. Die Spitze der Fertigstellungen wurde in Westdeutschland bereits 1995 erreicht, in Ostdeutschland zwei Jahre später. Dabei resultierte der große Nachfrageboom bis Mitte der 90er-Jahre in den alten Ländern in erster Linie aus einer hohen Zuwanderung. Trotz des anhaltenden Geburtendefizits erhöhte sich die Bevölkerung zwischen 1988 und 1993 um mehr als vier Millionen Personen. Dem begegnete der Staat, völlig zu Recht, mit zusätzlichen Fördermaßnahmen. In den neuen Ländern initiierte das Fördergebietsgesetz sogar eine wahre Bonanza an den Wohnungsmärkten. Auch die Eigenheimzulage hatte eine Zeit lang zu zusätzlicher Nachfrage beziehungsweise zu einer Stabilisierung beigetragen.
Nunmehr ist wieder der Alltag eingekehrt. Die jährliche Zuwanderung hat sich in Westdeutschland auf einem moderaten Niveau eingependelt, und der Nachholbedarf in Ostdeutschland ist zu einem erheblichen Teil bereits realisiert. Aber bevor das »Normalniveau« wieder erreicht wird, müssen wir erst die Reaktion auf die Übertreibungsphase hinter uns bringen: eine übertriebene Zurückhaltung potenzieller Wohnungsinvestoren.
In einigen Ballungszentren sind Wohnungen bereits knapp. Die Finanzierungskonditionen sind anhaltend günstig. Und die Anlagealternativen sind - zumindest unter Risikoaspekten - nicht immer einladend. Auch ohne neue, massive staatliche Hilfen dürfte es daher bereits im Verlauf dieses Jahres zu einer Belebung der Wohnungsnachfrage kommen. Leicht und langsam, denn für Euphorie gibt es in diesem Jahrzehnt keinen Anlass.
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