Handelsblatt, 28.12.2007, Nr. 249, S. 26
Um den Klimawandel zu bremsen, müssen wir die Energieversorgung mittel- bis langfristig weltweit von fossilen Energieträgern auf erneuerbare Energiequellen umstellen. Stärkeres Energiesparen und höhere Energieeffizienz sind ebenfalls wichtig. Der Umbau des Energiesystems ist mit Anpassungskosten verbunden. Wenn wir die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen rechtzeitig und sorgfältig umsetzen, sind diese für uns eher gering - vor allem im Vergleich zu den möglichen Schäden eines ungebremsten Klimawandels.
Christoph Böhringer ist Professor für Umweltökonomie an der Universität Oldenburg.
Nein, denn sie beleuchtet nur einen Teilbereich. Diese Aussage vergisst, dass Öl knapp ist und der Ölpreis nicht fallen, sondern mittelfristig steigen wird und all jene Volkswirtschaften sich besser stellen, die sich möglichst rasch vom Öl unabhängig machen. Sicher ist es richtig, dass Klimaschutz weltweit betrieben werden muss, um Verlagerungsprozesse zu vermeiden und das Klima langfristig zu schützen. Übrigens: Die Ölscheichs verknappen schon heute ihr Angebot, sonst hätten wir nicht so hohe Energiepreise.
Claudia Kemfert ist Leiterin der Abteilung Umweltökonomie am DIW Berlin und Professorin an der HU Berlin.
Die Sinn'sche These enthält einen richtigen Kern, weil die Einsparung einer Tonne CO2 bei uns eben nicht zur Einsparung einer Tonne CO2 weltweit führt, sondern zu weniger aufgrund des sogenannten Leakage-Effekts. Sinn leitet jedoch aus einem stark simplifizierten Modell eine Leakage-Rate von 100 Prozent ab, was empirischen Erkenntnissen widerspricht. Denn sinken die Produzentenpreise für fossile Brennstoffe, lohnt sich die Ausbeutung bestimmter Quellen nicht mehr. Insofern halte ich Sinns Sicht für zu pessimistisch.
Till Requate ist Professor für Volkswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Umweltökonomie an der Universität Kiel.
Jein. Die Klimapolitiker vernachlässigen tatsächlich die Angebotsseite und betreiben damit eigentlich keine ökonomische Analyse. Das Problem ist aber nicht das arabische Öl, das können wir ruhig verbrennen. Die entscheidende Frage ist, was das Öl ersetzen wird, wenn es alle ist, zum Beispiel die kanadischen Ölsände und die asiatische Steinkohle.
Richard Tol ist Professor für Umweltökonomie am Economic and Social Research Institute in Dublin.
Was Herr Sinn anspricht, hat die umweltökonomische Forschung seit langem unter dem Stichwort "carbon leakage" untersucht. Es liegt auf der Hand, dass einseitige Emissionsminderung durch einige Länder zur Verlagerung emissionsintensiver Aktivitäten in andere Länder führt. Dabei spielt auch die Reaktionsweise der Anbieter eine Rolle, für die eine große Spannweite von Szenarien existiert. Eine Leakage-Rate von 100 Prozent, die Herr Sinn impliziert, gehört bei Simulationsrechnungen aber zu den Ausreißern.
Heinz Welsch ist Professor für Wirtschaftstheorie mit Schwerpunkt Umweltökonomie an der Uni Oldenburg.
Klimaschutz ist ein öffentliches Gut, das über internationale Kooperation bereitzustellen ist. Die Politik ist auf internationaler Ebene gefordert, institutionelle und rechtliche Rahmenbedingungen zu schaffen, welche Trittbrettfahren und nichtkooperatives Verhalten sanktionieren. Bei souveränen Staaten ist dies eine schwierige Aufgabe. Ihre Lösung hängt nicht zuletzt davon ab, ob die Kosten von wirksamer Klimaschutzpolitik aus Sicht der Entwicklungsund Schwellenländer angemessen verteilt sind.
Klimaschutz muss langfristig sein und möglichst viele Nationen mit einbeziehen. Ich teile die Auffassung nicht, dass die Verbesserung der Energieeffizienz keine Wettbewerbsvorteile bringt, das Gegenteil ist richtig. Es ist ein volkswirtschaftlicher Vorteil - nicht nur aus Klimaschutzgründen, sondern in erster Linie aufgrund von Versorgungssicherheitsaspekten -, weniger Energie zu verschwenden und sich damit weniger anfällig für Lieferunterbrechungen und Preissteigerungen zu machen.
Sinn fordert Anstrengungen bei der Entwicklung von CO2-Abscheidungs- und Speichertechniken. Dem ist an sich nicht zu widersprechen. Allerdings sind weder solche Technologien noch entsprechende Speicherräume für CO2 bereits sicher und in größerem Umfang verfügbar. Daher sollte man auch weiterhin Anstrengungen im Rahmen der derzeit realisierbaren Einsparpotenziale unternehmen, unter anderem durch Technologietransfer in Entwicklungsländer.
Die Bundesregierung ist schlecht beraten in Sachen Klimawirtschaft. Die besten Ökonomen Deutschlands sind nicht in die Klimapolitikberatungen eingebunden. Die heutigen Berater sagen nur, was die Politiker und Beamten gerne hören - und das ist leider nur Wunschdenken.
Es ist klar, dass der Klimaschutz als globales öffentliches Gut um so wirksamer und effizienter ist, je mehr Länder mitmachen. Es hat aber keinen Sinn, darauf zu warten, dass alle sich beteiligen. So eine umfassende Koalition wäre aus spieltheoretischer Sicht auch nicht stabil. Es kommt darauf an, die großen Spieler - auch die großen Schwellenländer - ins Boot zu bekommen. Dabei fördern ehrgeizige Ziele in den Industrieländern die Entwicklung von Technologien, die es anderen Ländern erleichtern, beim Klimaschutz mitzumachen.
Please send your comments or questions on specific articles to: presse@ifo.de. Please mention in your e-mail the article you are concerned with.
Phone: +49(0)89/9224-1604 Fax: +49(0)89/9224-1267
2012 2011 | 2010 | 2009 2008 | 2007 | 2006 2005 | 2004 | 2003 2002 | 2001 | 2000
Press Echo
Comments on current economic policy issues in Policy Debate: