Handelsblatt, 28.03.2007, Nr. 62, S. 4
DÜSSELDORF/BERLIN. Die Mehrwertsteuererhöhung zu Jahresbeginn hat die deutsche Konjunktur offenbar nur kurz gebremst. Das signalisiert das Ifo-Geschäftsklima im März. Angeführt von der Industrie erholte es sich nach den zwei Rückgängen zu Jahresbeginn. Der Klimaindex stieg von 107 auf 107,7 Punkte und liegt nur einen Punkt unter dem im Dezember erreichten 15-Jahres- Hoch. Bankvolkswirte hatten dagegen auch im März mit einer Verschlechterung gerechnet. Mehrheitlich erwarten sie jetzt eine schnelle Erholung beim Wirtschaftswachstum und eine relativ kleine Konjunkturdelle im ersten Quartal. „Der Aufschwung ist stark und robust", sagte der Präsident des Ifo-Instituts, Hans- Werner Sinn.
Zur Stimmungsverbesserung trugen gleichermaßen bessere Einschätzungen der aktuellen Lage und der Erwartungen für die nächsten sechs Monate bei. Selbst im Einzelhandel, der von der Steuererhöhung neben dem Baugewerbe besonders betroffen ist, gibt es wieder etwas mehr Hoffnung auf bessere Geschäfte im nächsten halben Jahr.
Dabei dürfte dem Handel eine anhaltende Arbeitsmarktentspannung zu Gute kommen. Klaus Abberger vom Ifo-Bereich Unternehmensumfragen sagte, die Einstellungsbereitschaft der Industrie- und Dienstleistungsunternehmen habe im März zugenommen. Die Preiserwartungen des Einzelhandels deuten nach seinen Angaben außerdem darauf hin, dass die Weitergabe der Mehrwertsteuererhöhung an die Verbraucher weitgehend abgeschlossen ist.
Am deutlichsten fiel die Klimaaufhellung in der Industrie aus - bei gleichzeitig stabilen Exportaussichten. Da diese jedoch ungünstiger sind als noch im Herbst 2006, scheint die Industrie zunehmend auf eine anziehende Inlandsnachfrage zu setzen. „Damit verlagert sich die Konjunktur auf das zweite Bein", sagte Abberger. Nach seinen Angaben ver- besserte sich die Stimmung vor allem in der Chemieindustrie und im Maschinenbau.
Obwohl die Exportnachfrage - sie sorgte 2006 für das stärkste Umsatzplus der Industrie seit 15 Jahren wegen der Büro-Aufwertung und der schwächeren US-Konjunktur nicht mehr so kräftig steigen dürfte wie im Vorjahr, zeigte sich der Bundesverband des Groß- und Außenhandels (BGA) gestern zuversichtlich. Der Verband erhöhte seine Exportprognose von mindestens sechs auf neun Prozent Zuwachs und rechnet 2007 mit einem neuen Rekordüberschuss im Außenhandel. Nach Einschätzung von BGA-Präsident Anton Börner kann Deutschland in diesem) Jahr den Titel des Exportweltmeisters bei Waren gegen China noch verteidigen. Überdurchschnittlich werde die Ausfuhr in Länder außerhalb der EU sowie in die neuen mittel- und osteuropäischen EU-Länder wachsen, sagte Börner in Berlin, ari/shr
Please send your comments or questions on specific articles to: presse@ifo.de. Please mention in your e-mail the article you are concerned with.
Phone: +49(0)89/9224-1604 Fax: +49(0)89/9224-1267
2012 2011 | 2010 | 2009 2008 | 2007 | 2006 2005 | 2004 | 2003 2002 | 2001 | 2000
Press Echo
Comments on current economic policy issues in Policy Debate: