Handelsblatt, 24.06.2008, Nr. 120, S. 1
DÜSSELDORF. Bei den deutschen Firmenchefs macht sich angesichts hartnäckig hoher Ölpreise zunehmend Pessimismus breit. Die Stimmung unter den 7000 vom Ifo-Institut befragten Managern war im Juni so schlecht wie seit zweieinhalb Jahren nicht mehr. Der Geschäftsklimaindex fiel überraschend deutlich von 103,5 auf 101,3 Punkte. Das ist der tiefste Stand seit Dezember 2005, wie das Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) mitteilte.
Sowohl die Lage als auch die Aussichten wurden schlechter als im Mai eingeschätzt. "Die stark gestiegenen Ölpreise belasten offensichtlich zunehmend die deutsche Wirtschaft", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Auch der Export verliere an Kraft. Der Industrieverband BDI fordert deshalb Steuersenkungen, um die Binnennachfrage zu stärken.
Die Sorgenfalten werden vor allem bei den Führungskräften der Industrie immer tiefer. Der Ölpreis hat sich binnen eines Jahres auf rund 140 Dollar je Fass verdoppelt und treibt die Produktionskosten in den energieintensiven Branchen in die Höhe. Die erhoffte Signalwirkung des Öl-Krisengipfels vom Wochenende blieb an den Rohstoffmärkten trotz angekündigter Ausweitung der Fördermengen aus. Die Ölpreise legten gestern weiter zu.
Das verarbeitende Gewerbe kämpft gleichzeitig mit einer sinkenden Nachfrage aus dem Ausland. Besonders vom wichtigsten Absatzmarkt Europa kommen weniger Bestellungen an. "Wichtige Abnehmerländer wie Frankreich, Spanien und Großbritannien schwächeln", sagte Ifo-Experte Klaus Abberger. Im Groß- und Einzelhandel trübte sich das Geschäftsklima ebenfalls ein. "Die Verbraucher ächzen unter den steigenden Preisen für Lebensmittel und Benzin", sagte Abberger.
Arbeitnehmer mussten deshalb trotz kräftiger Lohnerhöhungen im ersten Quartal reale Einkommensverluste hinnehmen, wie das Statistische Bundesamt ermittelte. Zwar stiegen die Löhne der Beschäftigten im verarbeitenden Gewerbe und in der Dienstleistungsbranche um 2,8 Prozent. Die Lebenshaltungskosten legten mit 2,9 Prozent aber kräftiger zu. Die Bundesbank erwartet für dieses Jahr eine Inflationsrate von rund drei Prozent. Erst gegen Ende des Jahres könnte eine Zwei vor dem Komma stehen, hieß es im Monatsbericht. Reuters/HB
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