Handelsblatt, 21.11.2007, Nr. 225, S. 9
FRANKFURT.Die Stimmung der Weltwirtschaft ist so schlecht wie seit zwei Jahren nicht mehr. Das geht aus einer vierteljährlichen Umfrage des Münchener Ifo-Institutes sowie der Internationalen Handelskammer in Paris hervor. Sie hatten mehr als tausend Konjunkturbeobachter in Konzernen, Banken, Versicherungen sowie Wirtschaftsforschungsinstituten aus 89 Ländern befragt.
Aus Sicht der Deutschen Bank sind die Risiken sogar derart gewachsen, dass die Gefahr eines so drastischen Abschwungs wie Anfang der 70er und 80er Jahre bei eins zu drei liege, heißt es in einer auf Montag datierten Prognose der Bank für ihre Kunden. "Das Platzen der Immobilien- und Kreditblase in diesem Jahr und die darauf folgende Kredit- und Bankenkrise haben die Unsicherheit über den wirtschaftlichen Ausblick auf ein außergewöhnlich hohes Niveau vergrößert", heißt es in dem Bericht. Ihre Prognose errechneten die Volkswirte mit Hilfe eines Modells, das auf Finanzdaten wie Anleiherenditen, Währungen, Aktienkursen, Immobilienpreisen und kurzfristigen Zinsen beruht.
Die Wahrscheinlichkeit einer "Mini-Rezession" wie Anfang der 90er Jahre und Anfang dieses Jahrzehnts beliefen sich sogar auf fast 50 Prozent, hieß es in der Studie weiter. Dennoch beließ die Deutsche Bank ihre "vorsichtig optimistische" Prognose eines globalen Wirtschaftswachstums von 4,6 Prozent für 2008. Die Risiken für eine weitaus kräftigere Abschwächung seien nun jedoch beträchtlich.
Zum Vergleich: Für das laufende Gesamtjahr schätzt die Bank das Wirtschaftswachstum der Weltwirtschaft auf 5,1 Prozent, nachdem es im Boomjahr 2006 bei 5,4 Prozent gelegen hatte.
Die deutsche Wirtschaft hat von der seit fünf Jahren boomenden Weltwirtschaft erheblich profitiert. Entsprechend genau beäugen hiesige Konjunkturbeobachter die weltweite Wirtschaftsentwicklung. Neben der Mehrwertsteuererhöhung zu Jahresbeginn hatten Volkswirte im vergangenen Jahr die erwartete Abkühlung der Weltwirtschaft als größtes Risiko für die deutsche Konjunktur bezeichnet.
Innerhalb des letzten Vierteljahres hat sich das Geschäftsklima deutlich gedreht, zeigt der Ifo-Index für die Weltwirtschaft: Nachdem das Barometer im Sommer 113,6 Punkte und damit ein Sieben-Jahres-Hoch erklommen hatte, rutschte der Index nun auf 99,3 Zähler - den tiefsten Stand seit zwei Jahren.
Sowohl die derzeitige wirtschaftliche Lage als vor allem auch die Erwartungen für die nächsten sechs Monate schätzen die weltweiten Experten pessimistischer ein als im Vorquartal. Das Klima verschlechterte sich zwar sowohl in Nordamerika als auch in Westeuropa und Asien - am stärksten trübte es sich aber in den USA ein. Dort liegt der Index deutlich unter dem langfristigen Durchschnitt.
Die befragten Experten halten sowohl den US-Dollar als auch den japanischen Yen für unterbewertet. Dennoch erwarten sie, dass der US-Dollar in den kommenden sechs Monaten weiter an Wert verlieren wird. Den Euro und das britische Pfund sehen die Befragten überbewertet.
Aufschluss über das Wirtschaftsklima in Deutschland gibt der Ifo-Index für die Bundesrepublik, der am kommenden Dienstag erscheint. Der ZEW-Index, der ein ebenfalls stark beachteter Stimmungsindikator ist und auf einer Umfrage unter Finanzmarktexperten beruht, war zuletzt deutlich eingebrochen. doh/Reuters
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