Handelsblatt, 21.02.2008, Nr. 37, S. 5
BERLIN. Die Stimmung in der Weltwirtschaft ist im Januar auf den niedrigsten Stand seit Mitte 2003 gesunken. Das geht aus einer vierteljährlich erhobenen Umfrage des Ifo-Institutes und der Internationalen Handelskammer unter mehr als tausend befragten Unternehmern und Forschern aus 90 Ländern hervor. Sie beurteilten sowohl die aktuelle Lage als auch die Aussichten im Durchschnitt deutlich schlechter als bei der letzten Umfrage im Oktober 2007. Vor allem in Nordamerika und Westeuropa verschlechterte sich das Klima - in Asien dagegen kaum.
Damit bestätigt die Umfrage einen Trend, der sich an diversen nach unten korrigierten Konjunkturprognosen ablesen lässt. Auch in einer Umfrage des Handelsblattes hatten sich internationale Ökonomen skeptisch geäußert. Die Wahrscheinlichkeit einer US-Rezession ist beispielsweise aus Sicht von Thomas Mayer, Euro-Chefvolkswirt der Deutschen Bank, auf über 50 Prozent gestiegen.
Ausschlaggebend für die international verschlechterte Stimmung sind vor allem die Auswirkungen der US-Subprimekrise. Sie dürften sich der Umfrage zufolge allerdings auf das erste Halbjahr des laufenden Jahres konzentrieren und danach abebben, sagte Ifo-Branchenexperte Gernot Nerb dem Handelsblatt. Die größten Auswirkungen der Subprimekrise auf das Finanzsystem ihres jeweiligen Landes befürchten die befragten Experten in den USA, Großbritannien, der Schweiz, Irland und Deutschland. Auf einer Skala von null („kein Effekt") bis neun („sehr negativ") liege der Index in den USA für das erste Halbjahr bei 7,7 Punkten, für das zweite nur noch bei 5,5. In Deutschland rechnen die befragten Experten laut Nerb ebenfalls im ersten Halbjahr mit größeren Auswirkungen (6,2) als im zweiten (4,0).
Auch die Inflationserwartungen der Befragten sind für die USA für das laufende Jahr weiter hoch: Sie rechnen mit einer Preissteigerung um 2,9 Prozent und damit einem ähnlich hohen Anstieg wie im Vorjahr. Amtliche Zahlen zeigten gestern, dass die Beschleunigung zu Jahresbeginn angehalten bat: Die Verbraucherpreise waren dem Arbeitsministerium zufolge im Januar saisonbereinigt um 0,4 Prozent im Vergleich zum Vormonat gestiegen und damit noch stärker als von Volkswirten vorhergesehen. doh
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