Handelsblatt, 19.01.2012, S. 17
Wenn ein Wirtschaftsminister seine Konjunkturprognose senken muss, ist er selten zu beneiden. Aber was Philipp Rösler gestern in Berlin verkündet hat - dass die Bundesregierung 2012 nicht mehr mit einem Prozent Wachstum rechnet, sondern mit einen Anstieg um 0,7 Prozent - dürften sich viele seiner Kollegen in Europa wünschen. Denn wenn die Sorgen aller Mitgliedsländer der Euro-Zone so gering wären wie die der größten Volkswirtschaft, ginge es der Währungsunion vorzüglich.
Die Liste der Wachstumsbremsen ist lang. Das negative Stimmungsumfeld, schwache Exportaussichten und fiskalische Konsolidierungsmaßnahmen in vielen Mitgliedsländern zählen das Ifo-Institut und die Statistikbehörden von Frankreich und Italien, Istat und Insee, in ihrer jüngsten Gemeinschaftprognose dazu. All das, so fürchten sie, dürfte die Industrieproduktion schwächen. Das sei im letzten Quartal wohl so gewesen und auch für das erste Halbjahr 2012 zu erwarten. Immerhin rechnen sie aber damit, dass die Abschwächung im Frühjahr nachlasse. Denn: Die Auslandsnachfrage, speziell aus den USA, ziehe an und an den Finanzmärkten normalisiere sich die Lage. doh
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