Handelsblatt, 18.01.2012, S. 4
Frankfurt. Die Konjunkturerwartungen von knapp 300 Analysten und institutionellen Anlegern in Deutschland hellen sich zum Jahresbeginn überraschend deutlich auf. Der ZEW-Index, der auf einer monatlichen Umfrage des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung basiert, kletterte um 32,2 Punkte und damit so stark wie nie seit der Wiedervereinigung. Allerdings bedeutet der aktuelle Wert von minus 21,6 Zählern, dass noch immer die Mehrheit der Befragten mit einer Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation rechnet. Die aktuelle Lage beurteilen die Experten aber positiv: Der entsprechende Index stieg auf 28,4 Punkte.
Die unerwartet guten Umfrageergebnisse untermauern die positiven Signale anderer Frühindikatoren. Das Ifo-Geschäftsklima, das auf einer Umfrage unter Unternehmen beruht, stieg zuletzt zweimal. Die Firmen sind optimistisch, dem Abschwung in Westeuropa trotzen zu können.
"Der Absturz des ZEW-Indikators bis zum Herbst 2011 spiegelte in erste Linie die Unsicherheitswellen und die Nervosität auf den Finanzmärkten wider", sagte der frühere Chef der Wirtschaftsweisen, Bert Rürup, dem Handelsblatt. Der Zusammenhalt und die Reformbereitschaft der Euro-Länder sowie die geänderte Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) hätten offensichtlich beruhigend auf die Finanzmarktakteure gewirkt. "Genau das zeichnet der kräftige Anstieg am aktuellen Rand offensichtlich nach."
ZEW-Chef Wolfgang Franz ist ähnlicher Meinung: "Zur Aufhellung mögen die großzügige Liquiditätsversorgung durch die EZB und die vergleichsweise günstige Refinanzierung Italiens und Spaniens beigetragen haben", kommentierte er. Die Schuldenkrise stelle aber "nach wie vor ein Risiko dar". Allerdings sind auch die ZEW-Konjunkturerwartungen für die Euro-Zone im Januar gegenüber Dezember auf minus 32,5 Punkte gestiegen.
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