Handelsblatt, 10.04.2008, Nr. 70, S. 5
DÜSSELDORF. Die Krise auf den Finanzmärkten, eine geringere Dynamik der Weltkonjunktur, die hohe Inflation und der starke Euro belasten zunehmend das Wirtschaftswachstum in der Euro-Zone. Zu diesem Schluss kommen das Münchener Ifo-Institut, das Insee in Paris und das Forschungsinstitut ISAE in Rom in ihrem jüngsten vierteljährlichen Ausblick für den Euro-Raum.
Die Institute prognostizieren zwar für das abgelaufene erste Quartal eine leichte Beschleunigung des Wachstums auf 0,5 Prozent. Bis zum dritten Quartal werde es sich aber sukzessive verlangsamen und dann nur noch 0,3 Prozent zum Vorquartal betragen. Auch der Anstieg der Industrieproduktion werde sich nach einem starken ersten Quartal mit einem Plus von 0,7 Prozent auf 0,4 Prozent im dritten Quartal abschwächen.
Von der geringeren Dynamik sind nach Ansicht der Konjunkturforscher alle Komponenten des Bruttoinlandsprodukts (BIP) betroffen. So werde sich der private Konsum trotz der Entspannung am Arbeitsmarkt nur mäßig erholen und lediglich um maximal 0,4 Prozent zulegen. Spürbar gebremst werde er durch die stark gestiegenen Energie- und Lebensmittelpreise. Die drei Institute gehen davon aus, dass die Inflationsrate in der Euro-Zone nach 3,3 Prozent im ersten Quartal bis zum Herbst über der Marke von drei Prozent liegen wird.
Bei den Investitionen zeichne sich zwar ein noch robuster, aber sich ebenfalls verlangsamender Zuwachs ab. Im dritten Quartal erwarten die Forscher, dass sich das Investitionsplus mit 0,4 Prozent gegenüber dem Jahresbeginn fast halbiert. Sie vermuten, dass der Höhepunkt im Investitionszyklus bereits überschritten ist. Außerdem werde der Wachstumsbeitrag des Außenhandels wegen der rasanten Euro-Aufwertung spürbar geringer ausfallen als im vergangenen Jahr.
Bereits Ende 2007 hatte sich das Wachstum in der Euro-Zone wegen rückläufiger Konsumausgaben der privaten Haushalte und des Staates deutlich auf 0,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal abgeschwächt. Das Statistikamt Eurostat bestätigte gestern seine bisherige Berechnungen für das vierte Quartal, revidierte aber die Werte für die vorherigen drei Quartale des vergangenen Jahres.
Beim Rückgang der privaten Konsumausgaben um 0,1 Prozent schlug das kräftige Minus von 0,8 Prozent in Deutschland voll durch. Denn in allen anderen Ländern der Euro-Zone gaben die Verbraucher mehr aus als im dritten Quartal. Besser als im Durchschnitt der Euro-Zone schnitt Deutschland bei den Bruttoanlageinvestitionen (plus 1,1 Prozent) und den Exporten (plus 1,3 Prozent) ab. Im Euro-Raum erhöhten sich die Investitionen zum Vorquartal um 0,8 Prozent und die Exporte um 0,6 Prozent.
Im Vergleich zum Vorjahresquartal nahm das BIP wie bisher berechnet um 2,2 Prozent zu. Im Gesamtjahr stieg es um 2,6 nach 2,8 Prozent im Jahr 2006. ari
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