Handelsblatt, 24.-26.11.2006, Nr. 228, S. 5
FRANKFURT. Die Zeichen für eine Fortsetzung des Wirtschaftsaufschwungs im kommenden Jahr in Deutschland werden deutlicher. Diese positive Schlussfolgerung lässt sich aus dem Index des Münchener Ifo-Institutes für November sowie den gestern vorgelegten Details zur Entwicklung des Bruttoinlandsproduktes (BIP) im dritten Quartal ziehen.
Der Ifo-Index, der die Stimmung des verarbeitenden Gewerbes in Deutschland widerspiegelt, stieg im November überraschend auf 106,8 Punkte nach 105,3 im Oktober. Sowohl die aktuelle Geschäftslage als auch die Erwartungen für die kommenden sechs Monate beurteilten die rund 7 000 befragten Unternehmen erneut besser als im Vormonat. „Diese Umfrageergebnisse lassen eine Fortsetzung des konjunkturellen Aufschwungs erwarten", kommentierte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Besonders deutlich verbesserte sich die Geschäftslage: Der entsprechende Index stieg um zwei Punkte auf 113,9 Zähler.
Die Erwartungen legten zwar leichter zu, von 99,2 auf 100,1 Punkte. Allerdings werteten Volkswirte den Anstieg dieser Teilkomponente mit Blick auf die anstehende Steuererhöhung als besonders bemerkenswert.
Wie robust die deutsche Konjunktur derzeit ist, bestätigten die veröffentlichten Details des Bruttoinlandsproduktes. Im dritten Quartal war es um 0,6 Prozent gegenüber dem Vorquartal gestiegen. Die Wachstumsimpulse seien aus dem Inland und dem Ausland gekommen, so das Statistische Bundesamt. Der private Konsum und der Außenhandel steuerten je 0,4 Prozentpunkte zum Anstieg bei.
Das dritte Quartal sei hervorragend gewesen - und das, obwohl es gegenüber dem zweiten Quartal eine Wachstumsverlangsamung mit sich gebracht habe, kommentierte etwa Andreas Scheuerle von der DekaBank. Im ersten Vierteljahr war die deutsche Wirtschaft um 0,8 Prozent im Vorquartalsvergleich gewachsen, im zweiten um 1,1 Prozent. Die Stärke der Monate Juli bis September habe darin gelegen, „dass das Wachstum mit Ausnahme der Lager aus allen Nachfragekomponenten kam und damit ausgewogen war", so Scheuerle. Die Lagerinvestitionen bremsten das Wachstum im dritten Quartal um 0,5 Prozentpunkte.
In den vergangenen Jahren hatte der Außenhandel das deutsche Wirtschaftswachstum zeitweise nahezu alleine getragen. So hatte der private Konsum im gesamten Jahr 2005 nichts zum Wachstum beigesteuert. In den Jahren zuvor lieferte er einen geringen, 2002 sogar einen negativen Wachstumsbeitrag.
Die Exporte stiegen um 4,2 Prozent im Vorquartalsvergleich und somit stärker als die Importe, die um 3,6 Prozent zulegten. Der Außenhandel steuerte insgesamt einen Beitrag von 0,4 Prozentpunkten bei. Zum anderen kletterte die inländische Nachfrage um insgesamt 0,2 Prozentpunkte. Der private Konsum alleine steuerte mit 0,4 Punkten sogar ebenso viel wieder Außenhandel bei. Besonders erfreulich war aus Sicht von Volkswirten die Nachricht, dass sich der Investitionszyklus als dynamisch erwies. So kletterten die Investitionen in Ausrüstungen im dritten Quartal um 0,7 Prozent im Vorquartalsvergleich, in Bauten um 0,8 Prozent.
Diese positiven Meldungen untermauerte das Ifo-Institut: Nahezu branchenübergreifend verbesserten sich die Geschäftserwartungen sowie die Einschätzung der aktuellen Lage. Einzig im Einzelhandel sank der Klimaindex - die Befragten waren zwar erneut zufriedener mit ihrer aktuellen Situation, allerdings für die Zukunft zunehmend skeptisch. Ein wichtiger Grund dafür dürfte die anstehende Erhöhung der Mehrwertsteuer um drei Punkte am l. Januar 2007 sein.
doh
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