Handelsblatt, 30.06. – 02.07.2006, Nr. 124, S. 56
Die europäischen Börsen haben gestern kräftig zugelegt. Nach den Sorgen vor weiter steigenden Zinsen, die in den vergangenen Wochen auf die Kurse gedrückt hatten, donunierte jetzt offenbar die Aussicht auf positiv überraschende Unternehmensgewinne. Händler verwiesen außerdem auf positive Aussagen des Ifo-Instituts sowie US-Konjunkturzahlen. Die amerikanische Wirtschaft ist im ersten Quartal so kräftig gewachsen wie zuletzt vor zweieinhalb Jahren. Vor dem am Abend anstehenden Zinsentscheid der US-Notenbank (Fed) bestand jedoch. auch noch etwas Zurückhaltung. „Kaum jemand ist bereit, sich aus dem Fenster zu lehnen", sagte ein Marktteilnehmer.
Der Stoxx-50-Index der 50 wichtigsten börsennotierten europäischen Unternehmen schloss 1,78 Prozent höher. Der deutsche Standardwerteindex Dax beendete den Handel sogar mit einem Plus von 2,29 Prozent.
Bis auf die Lufthansa, die auf Grund des wieder steigenden Ölpreises mit einem kleinen Minus aus dem Handel ging, standen im Dax alle Werte im Plus. Größter Gewinner war der Nutzfahrzeug- und Maschinenbaukonzern MAN. Die Aufträge der deutschen Maschinenbauer waren im Mai stark gewachsen. In einem kräftigen Aufwind befand sich auch Adidas. Der Sportartikelhersteller hat die Vermarktungs- und Lizenzrechte für Reebok-Produkte in China erworben. Im SDax büßten die Titel des Modekonzerns Escada hingegen nahezu vier Prozent ein. Eine bilanzielle Aufräumaktion des neuen Vorstands .hat das Unternehmen in die Verlustzone gedrückt.
In London hievten Rohstoff- und Finanzwerte den britischen Leitindex auf den höchsten Stand seit drei Wochen. Steigende Gold- und Kupferpreise verhalfen den Minengesellschaften zu kräftigen Kursgewinnen. Unter dem Eindruck des steigenden Ölpreises legten auch die Ölschwergewichte zu: Royal Dutch Shell Aktien stiegen um 2,2 Prozent. Auch die Banken verbesserten sich.
In Paris gehörte der Kosmetikhersteller L'Oreal zu den Gewinnern. Er hatte ein neues Aktienrückkaufprogramm von 1,25 Milliarden Euro angekündigt.
Schwung für die europäischen Märkte kam auch von der Wall Street. Eine Erhöhung der US-Leitzinsen um 50 statt der erwarteten 25 Basispunkte wurde hier nicht mehr erwartet. Stattdessen rückte nach den guten Wachstumsdaten die Gewinnsaison in den Vordergrund. Konjunkturabhängige Werte wie 3M und United Technologies gehörten zu den stärksten Gewinnern.
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