Handelsblatt, 15.-17.12.2006, Nr. 243, S. 4
BERLIN. Die Stimmen, die eine Fortsetzung des Aufschwungs im nächsten Jahr ausrufen, werden lauter. Das Münchener Ifo-Institut sowie das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung erhöhten gestern ihre Wachstumsprognosen für 2007 auf 1,9 Prozent. Die Münchener Volkswirte rechnen zudem damit, dass sich der Aufschwung 2008 nochmals verstärken und das Bruttoinlandsprodukt um 2,3 Prozent zulegen wird. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft hatte bereits am Dienstag seine Prognose für 2007 deutlich angehoben. Damit sind drei der sechs führenden Wirtschaftsforschungsinstitute deutlich zuversichtlicher als noch in ihrem gemeinsamen Herbstgutachten. Darin hatten sie nur 1,4 Prozent Wachstum vorhergesagt und waren - wie die Mehrzahl der Bankvolkswirte noch heute - deutlich vorsichtiger.
Der Bundesverband deutscher Banken.(BdB) erhöhte seine Wachstumserwartungen für 2006 und 2007 gestern auch nur leicht. „Durch die guten Vorgaben des gerade zu Ende gehenden Jahres ergibt sich eine leichte Anhebung der Prognose für 2007 auf 1,25 bis 1,50 Prozent", sagte BdB-Chef Manfred Weber. Bislang rechnete der Verband mit einem Plus von 1,1 Prozent. Die Prognose für 2007 bleibe aber mit „besonders großer Unsicherheit behaftet". Diese ergäbe sich aus den anstehenden Steuererhöhungen, der voraussichtlichen Abschwächung der Weltwirtschaft sowie anderer Risiken.
Bundesbankpräsident Axel Weber betonte: „Für 2007 erwarte ich eine Abschwächung des Aufschwungs, aber keinen Abbruch." Er rechne mit Wachstum von etwas mehr als 1,5 Prozent. Ohne die neuen Belastungen wäre sogar noch deutlich mehr drin. „Die Mehrwertsteuererhöhung wird im nächsten Jahr einen dreiviertel Punkt Wachstum kosten", so Weber. Auch der IWF rechnet für das kommende Jahr mit rund 1,5 Prozent Wachstum für Deutschland.
Ihre sogar über 2007 reichende Versicht begründen die Ifo-Ökonom dagegen mit „endogenen Auftriebskräften", die von einer hohen Exportdynamik begleitet würden. Sie seien kräftig genug, damit der Aufschwung nicht zum Erliegen kommt". Ausschlaggebend für diese Zuversicht dürfte auch die Ifo-Prognose für Weltwirtschaft sein: Die Expansion werde sich zwar vorübergehend schwächen, aber schwungvoll bleiben. Zudem sei „die berühmte Binnennachfrage", die uns immer gefehlt hat „jetzt da", sagte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn. Trotz der Mehrwertsteuererhöhung erwartet das Ifo-Institut 2007 einen Anstieg des privaten Konsums um 1,5 Prozent sowie der Bruttoanlageinvestitionen um 4,6 Prozent. „Wir glauben, dass sich der Aufschwung fortsetzen wird bis in das Jahr 2008 hinein, was nicht heißt, dass danach eine Flaute kommt."
HB/doh
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